Zweisprachige Hochzeiten – Yes we can

„Machen Sie die Zeremonie auch auf Englisch?“ „Mein Mann stammt aus Spanien, die Zeremonie planen wir in Deutschland…“ Die Nachfrage nach zweisprachigen Hochzeitszeremonien steigt. Je nach eigenem Sprachvermögen lautet die Antwort „Yes I can“ oder „Yes we can organize“.

Menschen leben mobiler, große Unternehmen in Deutschland und der Schweiz haben Angestellte aus so unterschiedlichen Nationen, dass die Unternehmenssprache Englisch ist. Paare aus zwei Ländern, zwei Sprachräumen, zwei Kulturen suchen Mittel und Wege in der Freien Trauung beides zu berücksichtigen. Seltener werden Zeremonien komplett auf Englisch (Französisch, Niederländisch, Spanisch, Russisch … ) angefragt. Es gibt verschiedene Möglichkeiten, eine Zeremonie bilingual zu gestalten. Bei einigen unserer Mitglieder gehört auch Kölsch und die Übersetzung in die Gebärdensprache mit zum Repertoire.

„Meine Familie spricht kein Spanisch, seine Gäste sprechen kein Deutsch.“

Selbst wenn ein Freier Theologe selbst nicht Spanisch spricht, kann die Zeremonie dennoch zweisprachig vorbereitet werden. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten:

  • Die Zeremonie wird auf Deutsch vorbereitet, zentrale Teile werden in der zweiten Sprache wiederholt. Das ist die häufigste Variante.
  • Die Zeremonie wird komplett in der zweiten Sprache gedoppelt. In dieser Variante verlängert sich die Feier erheblich.
  • Die Zeremonie wird auf Deutsch durchgeführt, für die zweite Sprache wird ein Begleitheft erstellt, das alle erhalten, die die andere Sprache sprechen. Das hat zur Folge, dass ein Teil der Gäste die Augen auf Papier richtet, nicht auf das Brautpaar.
Immer locker bleiben

Wenn ein Zeremonienleiter keine zweite Sprache fließend spricht, kann dieser Umstand eine gute Gelegenheit sein, die Hochzeitsgäste mit einzubeziehen.

  • Ein Freund/ eine Freundin übersetzt im Vorfeld die Ansprache und die Texte, oder Teile daraus.
  • Die beiden Trauzeugen lesen je einen Text. Der eine auf Deutsch, der andere in der zweiten Sprache.
  • Gibt es jemanden, der quasi live übersetzen kann. Das kann ein eigens engagierter Dolmetscher sein, oder jemand aus dem Freundeskreis, der beide Sprachen sicher beherrscht. So wird die Zeremonie sehr lebendig.

Die Entscheidung für die eine oder andere Form hängt auch davon ab, wie die Sprachen der Familien und der Gäste sind. Manchmal ist die Hochzeitsgesellschaft sprachlich so vielfältig, dass die gemeinsame zweite Sprache wie in den internationalen Unternehmen Englisch ist. Es muss passen, aber es muss nicht perfekt sein.

Das Eheversprechen in der Sprache des Herzens

Für die meisten Paare ist das Eheversprechen der wichtigste Moment der ganzen Zeremonie. Für das Eheversprechen und das Ja-Wort können deshalb ganz andere Verabredungen getroffen werden wie für den Rest der Zeremonie. Dieser intime Augenblick ist ganz für das Paar bestimmt und viele entscheiden sich gegen das Mikrofon, auch wenn weiter entfernt sitzende Gäste nicht jedes Wort verstehen können. Das Brautpaar entscheidet sich für die Sprache, die aus dem Herzen kommt, in der die Feinheiten gefühlt und ausgedrückt werden können, ohne mit Grammatik oder Aussprache zu kämpfen. Welche Sprache spricht das Brautpaar miteinander? Sagt der eine das Eheversprechen in der Muttersprache des anderen? Sagt es jeder in der eigenen Muttersprache? Oder wird eine Mischung aus beiden Sprachen gewählt? Es lohnt sich, sich in der Vorbereitung ausführlich mit dieser Frage zu beschäftigen.

Rituale und Musik aus den Kulturen

Nicht nur die Sprache(n) für die sich ein Brautpaar für die Zeremonie entscheidet spielt eine Rolle. Die Herkunft beider Seiten und beider Familien kann gewürdigt werden, indem Musik aus den Heimatländern des jeweiligen Paares gespielt wird oder ein besonderes Hochzeitsritual oder eine symbolische Handlung in den Ablauf aufgenommen wird.

Zweisprachigkeit ist eine Zusatzleistung

Eine Trauansprache zu übersetzen, Texte in verschiedenen Sprachen zu organisieren, Brautpaare über die Möglichkeiten sprachlicher Gestaltung zu beraten – das benötigt mehr Zeit als eine Vorbereitung nur auf Deutsch. Diese Zusatzleistung lassen sich viele Freie Theologen vergüten, die Spanne reicht von 50 Euro bis hin zur Bezahlung eines professionellen Übersetzers. Brautpaare sollten sich nach den jeweiligen Konditionen des Anbieters erkundigen.

Birgit Aurelia Janetzky

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT) Foto: © aaabbc – Fotolia.com

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