Wolfgang Reiffer: Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Wolfgang Reiffer

Wolfgang Reiffer begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund für’s Leben zu schließen.

Sie sind seit fast 20 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Ja. Meine Wurzeln habe ich in der katholischen Kirche, ich wollte mal Pfarrer werden. Liturgie war das, was mir am meisten Freude gemacht hat. In die Zeit eines Praktikums fiel das 100-jährige Jubiläum der Pfarrei. Der von mir sehr geschätzte Pfarrer war nach eigenem Eingeständnis kein begeisterter Liturge und bat mich, die Vorbereitung für diesen Festgottesdienst zu übernehmen. Das habe ich mit großem Engagement und Freude gemacht.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Zunächst ein Mal habe ich immer noch Lampenfieber. Das legt sich, sobald ich begonnen habe. Dann ist es ein sehr schönes Gefühl für die beiden die Zeremonie zu leiten, durchzufüh­ren oder sie zu begleiten.  Es ist ein Moment voller Hoffnung für die gemeinsame Zukunft (ob­wohl manche Paare schon viele Jahre zusammen sind), es herrscht eine optimistische Atmo­sphäre und in dem Augenblick ist alles gut.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Nachdem ich nicht Pfarrer werden wollte, habe ich mich mit Musik beschäftigt. Sie ist meine große Liebe. Die sehr schöne Folge waren elf Jahre im Schallplatten/CD-Handel für klassi­sche Musik. Als diese Zeit zu Ende ging musste ich nach einer Alternative suchen und habe sie in der Arbeit als freier Theologe gefunden, erst als Trauerredner, dann habe ich – als ich merkte wie viel Freude mir das macht – mein Spektrum um Hochzeiten und Taufen erweitert,

Wenn Sie sagen, dass die Arbeit als Zeremonienleiter heute Ihr Traumjob ist, was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Die vielen glücklichen und strahlenden Gesichter, die Freude, die man den Menschen bereitet und selbst erlebt.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Die Paare nehmen Kontakt mit mir auf. Die erste Frage ist immer: Können Sie an dem Termin? Das ist schließlich eine wichtige Voraussetzung. Wenn ja vereinbaren wir einen unverbindlichen Termin um uns kennen zu lernen. Ich bin der Meinung, dass die Chemie zwischen dem Paar und mir stimmen muss, sonst lässt man es besser. Dieses Treffen kann an einem neutralen Ort oder bei dem Paar zuhause sein. Letzteres ist mir wichtig, weil ich sehe wie sie leben und eine Ahnung von ihrer Lebensart bekomme. Ein Treffen findet immer da statt. Für die Vorbereitung der Feier und das Schreiben der Hochzeitsrede spielt das eine sehr wichtige Rolle. Dann folgen so viele Treffen zur Vorbereitung wie nötig sind. Schließlich soll es ein sehr schönes Fest werden.

Eine wichtige Frage meinerseits ist die nach den inhaltlichen Schwerpunkten, was dem Paar an der Ehe wichtig ist. Heute kann man schließlich auch gut ohne Trauschein zusammen leben. Manche Paare haben eine sehr bewegte Lebensgeschichte hinter sich, mit vielen Höhen und Tiefen. Diese Paare sind in ruhigerem Fahrwasser angekommen und wollen das feiern. Da kommen andere Dinge zur Sprache als bei jungen Paaren.

Außerdem mache ich Vor­schläge wie die Zeremonie gestaltet werden könnte, an was man alles denken muss usw. Ich gebe Anregungen, wie Freunde und Familienmitgliedern in die Zere­monie eingebunden werden können.

Beim Gespräch erfahre ich auch, ob schon jemand verstorben ist, den das Paar gerne bei der Hochzeit dabei gehabt hätte. Dann schlage ich ein Gedenken am Beginn der Zeremonie vor. Die Idee habe ich durch das richtige Leben bekommen: bei einer meiner ersten Trauun­gen ist die Braut auf mich zugekommen. Für deren früh verstorbenen Bruder hatte ich die Trauerfeier gestaltet, und nun hat sie mich gefragt ob ich auch Hochzeiten mache. Das Geden­ken an den Bruder zu Beginn war trotz der Trauer sehr schön. Danach konnte es sehr gut „normal“ weitergehen.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Ich würde ihm/ihr das sagen was ich tue: ich leite Hochzeitszeremonien für Paare, die sich ohne eine Kirche oder Religionsgemeinschaft und unabhängig vom Standesamt vor ihren Freunden und Familien, in aller Öffentlichkeit, in einer feierlichen Zeremonie versprechen zu­sammen bleiben zu wollen.

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Man muss selbstbewusst genug sein um vor großem Publikum auftreten zu können (das habe ich in meiner Kinderzeit als Messdiener gelernt-:), man sollte ein gute Allgemeinbildung haben, sich in Literatur und Musik auskennen.

Menschenkenntnis ist enorm wichtig. Unabdingbar ist ein hohes Einfühlungsvermögen in die Paare, sowohl in das Paar als auch in jeden einzelnen. So entwickele ich ein Gefühl dafür was ich wie sage.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

O ja! Es muss nicht immer alles feierlich sein. Humor finde ich wichtig. Ein Fest kann feierlich und humor­voll sein, das schließt sich keineswegs aus. Eher im Gegenteil.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht verges­sen werden?

Ja: Ich werde nie den Moment vergessen, als ich mich bei der Begrüßung der Hochzeitsgäste um Haaresbreite versprochen und unsterblich blamiert hätte. Bei den letzten beiden Buchsta­ben des Wortes habe ich mich noch so eben korrigieren können. Mir ist es heiß und kalt gleichzeitig geworden. Aber das behalte ich für mich:-)

[Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Wolfgang Reiffer Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.]

 

 

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