Wie ein Märchen aus 2018

Manchmal kommt mir beim Schreiben einer Festrede als erste Formulierung in den Sinn: „… damals, als das Sieb noch im Stroh lag, so begannen die alten Märchen …“

Und manchmal bekomme ich von einem Paar vor der Hochzeit eine Geschichte zu hören, die klingt beinahe nach einem Märchen. In der Rede für Birte und Marc* ging es danach so weiter: „als Birte in die 5. Klasse kam, kam ein neuer Schüler dazu, der hieß Marc“. Birte und Marc, die unzertrennlichen, eine Sandkastenliebe. Vorliebe für die gleiche Band, die gleichen Frisuren, den gleichen Freundeskreis … und nun Hochzeit unterm Apfelbaum.

Nein. Es war eben wie im Märchen. Da gab es Irrungen und Wirrungen. Da mußten erstmal Aufgaben erfüllt werden. Und so zogen Birte und Marc in die Welt hinaus – es ist ja ein modernes Märchen! Beide sind mit den  Aufgaben Ihres Lebens beschäftigt. Aber Marc behält Birte so sehr im Herzen, dass er, nun statt im finsteren Wald, in den sozialen Medien nach ihr sucht. Und irgendwann öffnet sich wie von Zauberhand ein Fenster in seinem Laptop und Birte, bzw. eine Nachricht von Birte, erscheint. Und da die beiden eben wirklich füreinander bestimmt sind, kommen sie ganz langsam und behutsam wieder aufeinander zu.

Die Hochzeit kann gefeiert werden.

Selten habe ich ein so glückliches Brautpaar erlebt. Das Glück lag nicht in der jugendlichen Unbekümmertheit und Frische. Das Leben hatte eben schon einige Linien gezeichnet. Doch in ihren Blicken  war soviel Innigkeit, soviel liebevolles Anschaun, so ein Glück des (Wieder)findens zu sehen – das war für mich das Märchenhafte, das Wunder, das ganz und gar Besondere dieser Hochzeit.

(*Namen wurden geändert).

Iris Dittberner-Glatz
(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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