Und wenn es mal holprig wird, ist das keine Katastrofe … .

Hochzeitspaar Pferd Pferdehof

Ich komme auf dem weitläufigen Hof an, es ist ein Pferdegestüt. Der Sohn des Hofes heiratet heute. Ich frage nach dem Platz für die Zeremonie – „Na, dort wo Sie das E-Piano hören. Die Brautmama übt schon den ganzen Vormittag“.

Da höre ich es – das Spielen klingt so ein bisschen nach Üben vor einem Auftritt in der Musikschule. Ach ja, heute mal keine Profis, Hausmusik. Schön. So langsam platzieren sich die Gäste, letzte Dinge werden gerade gerückt, die Spannung steigt und Mutter übt. Tatsächlich, sie ist innerlich ganz weit weg. Wahrscheinlich aufgeregt, sehr aufgeregt. Die Schwester der Braut bittet sie, einen Moment innezuhalten, das Brautpaar wird gleich einziehen.

Nun endlich „offiziell“ ihr Stück, um den Einzug des Paares zu begleiten. Vorher hatten wir abgestimmt: dass sich das Paar, wenn es an seinem Platz ist, setzt, ebenso die Gäste, und dann soll das Stück zu Ende gespielt werden. Das Paar zieht ein. Es setzt sich hin. Die Gäste setzen sich. Alle lauschen noch einen Moment, ein kleines liebevolles Lächeln, wenn doch mal ein Ton daneben geht. Die Mutter spielt. Es wird unruhig. Mutter blättert das dritte mal um und es sieht nicht aus, als habe sie mitbekommen, dass die Zeit für das  Eingangsstück vorüber ist.

Die Schwester der Braut geht hin, liebevoll, aber unmissverständlich bedeutet sie ihr, das Stück zu beenden. Mutter ist sichtlich aus ihrer Welt gerissen und man spürt, dass sie gar nicht versteht, was man von ihr will. Ich bin ein wenig unsicher, besorgt um die Stimmung zwischen Tochter und Mutter … dann sehe ich wenig später die beiden ganz fröhlich und friedlich nebeneinander sitzen, ganz im Hier und Jetzt und angekommen in der Zeremonie.

Iris Dittberner-Glatz

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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