Susanne Frieters: Ich bin freie Theologin – mein Traumberuf

Susanne Frieters begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt sie an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit fast 10 Jahren als freie Theologin tätig. Ist Zeremonienleiterin Ihr Traumjob?

Ja, ich habe tatsächlich das Glück, in meinem Traumberuf zu arbeiten.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Ich fühle mich geehrt, dass das Paar mir so viel Vertrauen gibt. Das ist ja ein Moment, der sich nicht wiederholen lässt!

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Ich habe Theologie studiert, ursprünglich mit dem Ziel, in der Kirche auch zu arbeiten. Das hat sich aber aus verschiedensten Gründe nicht ergeben und heute würde ich das auch nicht mehr wollen. Ich bin dann auf das Berufsbild „Freie Theologin“ gestoßen und habe zunächst nebenberuflich angefangen, Hochzeiten zu begleiten. Nach und nach sind dann auch Trauerfeiern dazu gekommen und ich konnte mich selbständig machen.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiterin heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Menschen an ganz wichtigen Lebensstationen zu begleiten, ist das schönste daran. Ich bekomme sehr viele Liebes- und Lebensgeschichten erzählt, das ist ein großes Geschenk. Menschen und ihre Beziehungen, ihre Art, ihre Liebe zu finden, zu leben, zu gestalten sind so vielfältig, dass jede Begegnung mit einem Brautpaar aufs Neue spannend ist. Wenn es mir dann gelingt, diese ganz individuellen Liebesgeschichten auch in der Trauung lebendig werden zu lassen, dann ist das ein ganz wunderbares Gefühl. Am meisten freue ich mich, wenn mir nach einer Trauung nicht nur das Brautpaar, sondern auch deren Familie und Freundinnen/Freunde sagen, dass die Trauung gut zu den beiden gepasst hat, dass sie sie erkennen konnten in meinen Worten, dass die Trauung den beiden und ihrer Liebe gerecht werden konnte.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Oft möchte mich das Brautpaar erst einmal unverbindlich kennen lernen. Dann treffen wir uns und ich stelle mich vor, erzähle von den Möglichkeiten, die wir in einer Freien Trauung haben. Wenn sich die beiden dann für eine Freie Trauung mit meiner Begleitung entscheiden, treffen wir uns noch zweimal: Beim ersten ausführlichen Gespräch erzählen die beiden von sich, damit ich die Trauung auch wirklich individuell und persönlich gestalten kann. Außerdem klären wir,

  • was für sie das Wichtigste bei ihrer Hochzeit ist
  • was genau sie einander damit sagen oder versprechen möchten
  • ob und wenn ja, welche Rolle ein Glauben dabei für sie einnimmt, ob sie z.B. einen Segen möchten und wie dieser dann formuliert sein kann
  • ob andere Personen (z.B. TrauzeugInnen) beteiligt werden sollen
  • welche Musik eingebunden werden soll

In diesem ersten Vorgespräch lernen wir einander kennen und besprechen das Grundgerüst. Dann gehen wir damit nach Hause und füllen das Gerüst mit Inhalten, telefonieren oder mailen zwischendurch und treffen uns dann noch ein zweites Mal, um die Details zu besprechen und den Ablauf der Trauung festzulegen. Auch alle Gäste, die sich an der Trauung beteiligen möchten, können sich gerne an mich wenden und Ideen und Inhalte mit mir absprechen oder auch Tipps von mir dazu bekommen. Nach der Trauung erhalten die Paare dann eine Mappe mit allen Texten und Inhalten der Trauung.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Ich würde ihr oder ihm sagen, dass es ein sehr schöner Beruf ist, aber nicht immer ein einfacher. (Aber ich glaube, die besten Dinge im Leben sind nie die einfachsten!)

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Man muss sich sehr intensiv auf die Menschen einstellen und gut zuhören können. Man muss kreativ sein, gut mit Worten umgehen können, Spaß daran haben, mit den verschiedensten Menschen zusammen etwas ganz Besonderes zu erschaffen. Man muss aber auch damit leben, dass man immer dann arbeitet, wenn andere frei haben: Die Brautpaare sind ja meistens auch berufstätig, deshalb finden die Vorgespräche das ganze Jahr über oft abends und am Wochenende statt. In der Hochzeitssaison, im Sommer, sind dann jeder Samstag, oft auch jeder Freitagabend und viele Sonntage Arbeitszeit für uns!

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Natürlich gibt es in den Hochzeiten oft auch augenzwinkernde Momente. Die Liebe ist ja etwas Schönes, da darf ein Lächeln niemals fehlen! Manche Brautpaare möchten auch ganz ausdrücklich eine lockere, lustige Gestaltung ihrer Hochzeit. Zu anderen Paaren passt eine sehr festliche, feierliche Zeremonie besser. In den Vorgespräche lerne ich die Paare ja kennen und merke schnell, welcher Stil zu den beiden passt.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Ohja: Ich werde nie den Moment vergessen, als ich ganz feierlich sagte: „Und Eure kleine Tochter bringt Euch jetzt bitte die Ringe…!“ – und dann erst merkte, dass die Kleine (mitsamt den Ringen) auf den nebenanliegenden Spielplatz gesaust war. Die Oma hat sie dann aber aus der Schaukel gepflückt und die Ringe hatte sie ganze Zeit gut festgehalten!

Was bedeutet es Ihnen freie Theologin zu sein?

Es ist ein ganz wunderbarer Beruf, der es mir ermöglicht, in großer Freiheit und Unabhängigkeit für die Menschen da zu sein, die meine Begleitung wünschen.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Susanne Frieters Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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