Peter Kessner: Ich bin Freier Theologe – mein Traumberuf

Peter Kessner begleitet Brautpaare in Freien Trauungs-Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen?

Sie sind seit über 20 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Ja, auch wenn dieser Beruf nicht mein einziger Traum ist. Jedoch macht es unendlich viel Spaß, für jedes Paar wieder eine etwas andere Rede und Feier zu kreieren – weil einfach jedes Paar und jeder Mensch anders ist – und es so auch verdient hat behandelt zu werden.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Da herrscht auch bei mir große Freude! Es zaubert mir stets ein großes Lächeln ins Gesicht, wenn ich mich mitfreuen darf, dass wieder ein Paar so viel gemeinsamen Lebens-Mut zeigt.

Wie sind Sie zu diesem Beruf gekommen?

Im Nachhinein war es ein großes Glück für mich nicht Pfarrer zu werden, denn ich wurde nach meinem Theologie-Diplom von meiner damaligen evangelischen Kirche 1994 auf die Straße gelost, weil sie die Lostrommel einer echten Personalpolitik vorzog. Danach wurde ich Journalist und arbeitete lange Jahre als solcher – bis mich eben immer mehr Brautpaare ansprachen – und die individuellen und persönlichen Trau-Reden zu meinem echten Tätigkeits-Schwerpunkt geworden sind.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiter ist heute Ihr Traumjob: Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Selbstverständlich auch diese Gesichter! Aber solch ein Hochzeits-Tag ist ja schnell vorüber – dann bewährt sich das, was die Brautleute gehört und auch sich selbst versprochen haben. Jedoch: In der Vorbereitungszeit haben wir zusammen eben dafür viel bewusst werden lassen. Und ich finde: Die Paare sollten die Vorbereitung innerlich als Teil der Zeremonie sehen, dann haben sie länger etwas daran zu genießen – und etwa manches Deko-Detail bekommt umgekehrt seine nicht ganz so große Bedeutung; das sorgt für mehr Entspannung im Vorfeld.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Nach der Gelegenheit mich zu „beschnuppern“ treffe ich mich mindestens zwei Mal richtig ausführlich mit den Paaren – das hat sich bewährt: Beim ersten Mal steht das pure Kennenlernen und ein Brainstorming der Gestaltungsmöglichkeiten im Mittelpunkt. Dann sollen die zwei in Ruhe eine Zeit lang unter vier Augen sein: da fallen die konkreten Entscheidungen – und beim nächsten Mal klopfen wir gemeinsam den Ablauf fest – und ergänzen noch so manche Einzelheit. Dazwischen haben wir Kontakt per Mail oder Telefon – die Intensität bestimmt das Paar. Wichtig ist mir, dass sich Erwartungen und Wünsche der Liebenden mit meinem beratenden Erfahrungs-Schatz und auch neuen Ideen treffen.

Wenn der Sohn / die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Was ich schon oft gesagt habe: Ich halte mehr Hochzeiten als jeder Pfarrer – und ich mache es besser, weil ich nicht in festen Liturgien gefangen bin. Außerdem verlange ich mein Honorar nur einmal sowie erst hinterher – und nicht von Jahr zu Jahr wie die ewige Kirchensteuer ohne echte Gegenleistung. Oder ich plaudere über meinen Job auf einer Party ganz flapsig: „Ich mache Braut UND Bräutigam glücklich!“

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Natürlich keine: zur Freien Hochzeit – außer die Liebe zum Partner! Und wenn er/sie selbst diesen Beruf ausüben wollte: na, dann halt erstmal studieren – Theologie ist eines der letzten interdisziplinären Fächer, die auch über den eigenen Tellerrand hinausschauen: hinein in Pädagogik, Sprachgefühl, Kulturwissenschaft und das Verstehen des Lebens überhaupt – wenn man/frau dies will.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Humor und Ernsthaftigkeit schließen sich nicht aus – im Gegenteil: Witzige Begebenheiten aus dem Leben sind genauso gefragt wie die eigenen Bilder von Zukunft. Und auch die meist kurzen Beiträge von Gästen, etwa der Zeugen, sollen so sein wie die Menschen sind: völlig unverstellt.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Klar – viele Ereignisse an zahlreichen tollen Orten – vor allem diese Begebenheit: Die Braut wollte ihren Verlobten hoch oben auf einer Burg selbst fragen – er wollte jedoch selber stattdessen, dass ich sie für ihn frage – und so fragte ich auch gleich ihn nochmals – so dass er auf einmal ganz gesprächig wurde: er sei ja wohl der einzige auf der Welt, der zweimal gefragt worden sei. Übrigens: Jedes Paar bekommt seine eigene Traufrage – warum sollte gerade diese nicht individuell und auf die jeweiligen Personen passgenau zugeschnitten sein? Und wenn die Brautleute unterschiedlich vom Wesen her sind, bekommt jeder seine entsprechende „Zusatzfrage“. Ich frage ja nichts ab wie in der Schule oder bei der katholischen, lebensfremden Ehevorbereitung, sondern die Liebenden bestätigen und bekräftigen sich die gewollte Ausgestaltung ihres eigengewählten Liebesvollzuges. Ich erfülle da eher die gedankliche Hebammen-Funktion, wie der Philosoph Sokrates sie beschreibt.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Dass ich das „frei“ inzwischen mit großem F, also Frei schreibe! Denn Frei heißt für mich nicht nur „kirchenunabhängig“, sondern Frei und offen für alle menschlichen Belange; Frei heißt aber eben nicht beliebig zu sein, sondern selbst ganz authentisch auf die authentischen Bedürfnisse der Menschen eingehen zu können – ohne jegliche institutionelle Zwänge – keiner soll sich verbiegen (ich eben auch nicht).

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeits-Gemeinschaft Freier Theologen Einblicke in ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Peter Kessner Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

 

 

Kommentieren