Peter Anhalt: Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Peter Anhalt begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit 16  Jahren als freier Theolog tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Ich würde dieses Wort „Traumjob“ nicht verwenden. Was mich an meiner Arbeit interessiert – und was sie reich für mich macht -, ist die Begleitung von Menschen an Grenzen und an Schwellen. Zum einen begleite ich Menschen durch mein Angebot der Gestaltung von Lebensfeiern an eben solchen Schwellen. Und ich begleite Menschen an Grenzen (Trauerarbeit, Arbeit mit jugendlichen Gewaltstraftätern im Strafvollzug, Krisenberatung) bzw. Menschen, die wiederum mit Menschen an Grenzen arbeiten (z.B. in der Supervision in der Psychiatrie, in der Sterbebegleitung u.ä.)

Was mir an dieser Arbeit gefällt ist, dass sie mit dem Leben zu tun hat in all seiner Farbigkeit, mit all seinen Facetten, mit all seinen Höhen und seinen Tiefen auch. Dieses „Gesamtpaket“ ist für mich eine sehr sinngebende Tätigkeit. Und die Hochzeiten sind dabei ohne Zweifel besondere Hoch-Zeiten.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Ich empfehle meinen Paaren immer, sich das Eheversprechen selbst zu geben. Anfangs wissen Sie oft nicht, wie sie das dann formulieren sollen. In einem meiner Gespräche mit meinen Paaren frage ich die beiden aber immer: Warum ist es gerade der/die Andere…? Das ist keine so leicht zu beantwortende Frage und setzt oft einen Prozess in Gang, der sich dann auch im sehr persönlichen Eheversprechen abbildet – und das ist immer ein sehr berührender Moment.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Über einige Umwege. Ich habe erst sehr spät angefangen zu studieren, und mich dann für das Studium entschieden, das mich am meisten interessierte – eben die Theologie. Es war aber auch bald klar, dass der Beruf eines Pfarrers für mich nicht in Frage kam. Mitte der 90er Jahre habe ich dann das erste Mal vom Beruf eines freien Theologen gehört und dann meinen späteren Kollegen Klaus Behner besucht. Das war die Initialzündung, eben auch als freier Theologe zu arbeiten.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Ich sage meinen Paaren immer, dass Sie bei mir keine ernste, aber eine ernsthafte Hochzeit erwarten können. Ernsthaft in dem Sinne, dass ich keine Show mache, aber eben nicht ernst. Bei meinen Feiern wird viel gelacht, ja, ich denke, man merkt oft, wie viel Spaß mir das Ganze macht. Und feierlich wird es durch genau diese Mischung: aus tiefen, berührenden Momenten und Momenten der Freude und Ausgelassenheit.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Na, vielleicht eine spektakuläre und sehr intime Trauung in einem Heißluftballon – und die nicht weniger spektakuläre und recht harte Landung auf einem Rübenfeld. Aber was eigentlich eher nachklingt, sind manche Paare und ihre Geschichte, an die ich mich mitunter noch nach Jahren erinnere.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Zum einen bin ich ja deshalb Theologe, weil ich Theologie studiert habe. Der Begriff Theologe ist mir aber ein wenig fremd geworden, weil er behauptet, es gäbe ein logisches/rationales Sprechen von Gott – oder ich könne mehr über Gott aussagen, weil ich es ja studiert habe. Das kann ich aber nicht – ich kann höchstens mehr darüber berichten, was andere Menschen über Gott sagen oder gesagt haben. Es hat mich aber sensibel gemacht für Erfahrungen, die berührend, existentiell, individuell – eben spirituell sind. Und ich sehe meine Aufgabe darin, den Raum zu öffnen, dass sich genau solche tiefen Erfahrungen zeigen können. Rituale sind da ein sehr bedeutsamer Zugang.

Sehr wichtig ist mir aber der Zusatz „frei“, weil ich genau das bin. Ich habe keine Mission, ich habe auch keine Antworten, aber ich nehme mir die Freiheit, meinem Gegenüber Fragen zu stellen und den Raum für je eigene Antworten zu finden und zu gestalten. Und das zeigt sich auch in meiner Begleitung z.B. bei Hochzeiten. Es gibt von mir keine Vorgaben, was in einer Hochzeit zu passieren habe. Im Mittelpunkt stehen die Wünsche und Vorstellungen des Paares. Dazu habe ich dann natürlich auch Ideen – wie das Paar auch -, aber das entscheiden wir dann gemeinsam, so dass es im Grunde ein gemeinsamer Prozeß ist, an deren Ende wir eine Hochzeit feiern, von dem das Paar sagen kann: Genauso haben wir uns unsere Hochzeit vorgestellt und gewünscht.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Peter Anhalt Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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