Noch mehr trauen… – besondere Chancen einer Trauungszeremonie

Eine Hochzeitsfeier ist die besondere Mitteilung und das Miteinander-Teilen einer besonderen Zustimmung zweier Menschen zueinander in der Gemeinschaft, von der sich die beiden einzeln und gemeinsam mit ihrem ganzen Leben und Zusammenleben getragen fühlen und von der sie weiterhin getragen sein wollen.

Eine Zeremonie dient u..a. dazu, die tragenden Lebensgrundlagen der beiden noch einmal in besonderer Weise zu unterstreichen und hervorzuheben, um sie dadurch erneut zu stärken und zu bekräftigen. In traditionellen Hochzeitszeremonien ist es die besondere Unterstreichung und Betonung der allgemeinen Grundlagen des jeweiligen gemeinschaftlichen Lebens.

In einer persönlichen Hochzeitszeremonie sind es die persönlichen Grundlagen des einzelnen und gemeinsamen  Lebens der beiden Hauptpersonen, die es verdienen, besonders betont und unterstrichen zu werden.  Zu diesen persönlichen Grundlagen gehören insbesondere die nahen Verhältnisse, die Verbindungen zu den Menschen, die für beide einzeln von Geburt an besonders wichtig waren, geworden sind und es nun auch im gemeinsamen Leben sind und bleiben werden.

Zur Vorbereitung meiner Ansprache frage ich darum im Vorgespräch nach diesen Grundlagen, nach allen wichtigen Nahverhältnissen von Geburt an, bei Jedem einzeln bis zum Kennenlernen und dann im gemeinsamen Leben. Daraus entsteht dann für die Zeremonie eine kurze Skizze dieser im Alltag oft fast selbstverständlich erscheinenden Verhältnisse der beiden, die in ihrem Zusammenleben jetzt zu den gemeinsamen Grundlagen gehören. Und da ergeben sich dann auf den verschiedensten “Nebenschauplätzen“ immer wieder nette, schöne, kleine Überraschungen.

Neulich hatte ich in einer Trauungsansprache kurz etwas eigentlich Einfaches gesagt, was der gut 40-jährige Bräutigam im Vorgespräch auch so erzählt hatte: dass seine um einige Jahre ältere Schwester für ihn auch auf den früh schon mehr getrennteren und dann mehr parallel verlaufenen Wegen „immer eine besondere und wichtige Person“ in seinem Leben geblieben sei, – genauso hatte ich es gesagt, nicht mehr und nicht weniger, fast eine „Allerweltsaussage“.  Beim anschließenden Empfang kam die Schwester bald sehr freudig auf mich zu, bedankte sich und sagte als erstes: „Das hat er mir noch nie gesagt!“ und dann war auch der  Bruder bald dazu gekommen, sie  reichte es ihm nochmals direkt rüber – und er sagte nur verschmitzt: „Aber jetzt ist es gesagt, und das sollte auch so sein!“ – und dann nahmen die beiden sich sehr herzlich in den Arm…. –

Und so können in einer Zeremonie noch so manche anderen ungesagten Sätze einmal ausgesprochen werden, stets in eröffnender Intention (das Gegenteil wäre z.B die abschließende „Abrechnung“). Ich ermuntere die Paare, in einem Anfangsteil der Zeremonie vielleicht einigen ihnen besonders wichtigen Personen, z.B. den Eltern auch einmal selbst etwas zu sagen, vorher vorbereitet,  bis es wirklich für sie stimmt, den Zettel in der Hand, das stört überhaupt nicht. Und sonst mache ich es eben stellvertretend für sie in etwas indirekterer Weise in meiner Ansprache, –  einfache Sätze der Anerkennung und des Dankes, Sätze, mit denen sonst eher vielleicht nur leicht geöffnete, mehr angelehnte oder sogar fester verschlossene Türen in dieser besonderen Feier- Öffentlichkeit einfach mal etwas weiter als sonst aufgemacht werden. Durchgehen müssen die Betreffenden natürlich selber. Aber an solchen Tagen ist die Bereitschaft dazu um so einiges höher als sonst…, weswegen so ein Tag und erst recht eine Zeremonie so ganz besondere Chancen in sich trägt, die im alltäglichen Leben eher  kaum und  auch sonst nicht unbedingt so häufig vorkommen und gegeben sind.

Und auch das Wahrnehmen dieser Chancen, das Eröffnen der Türen, das Durchgehen sowieso – auch das ist alles wiederum einzig eine Frage – des Trauens…

Klaus Behner

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Kommentieren