Markus Grünling – Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Markus Grünling begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit 13 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Sagen wir mal so, mit meinem Beruf bin ich sehr zufrieden, ja glücklich. Zum einen erlebe ich mich im Gespräch sowie in der Feier von Ritualen ganz nahe bei Menschen verschiedenster Couleur, was für mich jeden Tag neu spannend ist.

Zudem habe ich im Vergleich zu allen meinen Freunden (ganz zu schweigen zu meinem Beruf als katholischer Priester zuvor) jede Menge freie Zeit. Muße also zum Nachsinnen, Ideen spinnen, kreativ werden, Texte und Gedichte schreiben oder auch zum Malen oder mit Holz arbeiten. Genauso gerne nutze ich die Zeit zum Nichts-Tun, Faulenzen, dolce far niente, Kaffee trinken, mit meiner Frau spazieren gehen, reden oder um mich mit Freunden zu treffen, zu photographieren …

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Noch immer, nach über 25 Jahren, ist das für mich aufregend, anregend, beglückend – lässt mich weinen und lachen, mitfühlen und daran denken, wie das bei uns, meiner Frau und mir damals war.

Noch immer empfinde ich da keinerlei Routine, sondern bin und bleibe gespannt auf den Ort der Feier, das Paar in diesem besonderen Moment, die Familien und Mitfeiernden, die Musik und die ganze Stimmung, die ebenso individuell sind, wie die Paare selbst.

Es ist kurz um gefüllte Zeit, braucht aber auch Kraft von meiner Seite, was ich oft erst nach der Feier einer Zeremonie so richtig zu spüren bekomme, wenn die Energie einfach wegsackt.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Tja, das ist schnell erzählt: Nachdem ich 10 Jahre als katholischer Pfarrer gearbeitet habe, habe ich meine Frau kennengelernt. Das war natürlich keine einfache Zeit. Aber als dann klar war, das passt, wurde ich sehr schnell zum „vogel-freien Theologen“. Über eine Freundin meiner Frau habe ich zufällig davon erfahren, dass es so etwas wie freie Theologen gibt, und dann rasch beschlossen, mich 2003 selbstständig zu machen. Denn das ist es, was ich kann, was mir Spaß macht und mich ausmacht.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiter heute ist Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Das Schöne an meinem Beruf ist für mich, Menschen an diesem wichtigen Punkt ihres Lebens ein Stück weit begleiten zu dürfen. Für die Einmaligkeit ihrer Liebe, ihrer Liebesgeschichte gemeinsam ein passendes Ritual zu suchen und so diesen wertvollen, einzigartigen Moment im Leben herauszustellen, zu unterstreichen und ins Bewusstsein zu heben.

Ach, und die vielen Liebesgeschichten, die ich hören darf und die mich jedesmal neu bewegen, mir nachgehen, mir Mut machen oder mich zum Schmunzeln, Mitfreuen (und gelegentlich auch zum Weinen) bringen. Einfach so dicht am Puls des Lebens sein zu dürfen, was Kraft kostet, aber auch unendlich schön ist.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Das bestimmt, wie alles in einer Trauungszeremonie, das Paar selbst. Normalerweise treffen ich mich mit dem Paar bei mir zu Hause zu einem ausführlichen Kennenlern-gespräch, wo wir uns voneinander erzählen können und ich auch einige Möglichkeiten, eine freie Trauung zu gestalten, anreiße. Falls beide Seiten das Gefühl haben, dass es passen könnte, sende ich dem Paar eine erste Skizze mit einem möglichen Ablauf und verschiedenen Texten zu Auswahl zu. Sobald die Zwei dann eine erste Vorauswahl getroffen und sich einen möglcihen Ablauf überlegt haben, treffen wir und noch ein (oder zwei oder drei) mal, um gemeinsam die offenen Fragen und Details abzustimmen.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Ich bin jemand der Menschen in den wichtigen Wendepunkten ihres Lebens begleitet: Wenn ein Kind zur Welt kommt, wenn Jugendliche erwachsen werden, wenn zwei Menschen heiraten, wenn jemand krank wird oder stirbt. Zudem stehe ich bereit, wenn Menschen Fragen haben, die den Sinn des Lebens betreffen, oder Begleitung in schwerern Zeiten benötigen.

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Zuerst mal Interesse an den Menschen, Offenheit der eigenen Geschichte und Prägung gegenüber, die Fähigkeit unvoreingenommen zuzuhören und genug Mut zur Muße, um immer wieder aus der Stille Kraft für das neue sich Hineinbegeben in das Spannungsfeld von „kritischen Lebensereignissen“ zu schöpfen. Dazu Spaß am Leben in all seiner Buntheit, Spaß am Ausprobieren von Neuem und die Fähigkeit, was ihm anvertraut wurde, behutsam in eine passende Form, eine Zeremonie hineingeben zu können.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Himmel hilf! Ein Hochzeit ohne Lachen (ok, aber auch ohne Tränen), kann ich mir inzwischen nicht mehr vorstellen! Zum einen, wenn ich die Geschichte des Paares wiederzugeben versuche, zum anderen, wenn sich Dinge anders entwickeln, als wir es vorab geplant hatten, und zum Dritten, weil die Hochzeit ja ein Fest ist, eine Feier, ein Grund zum Tanzen, Lachen, Klatschen und Fröhlich-sein!

All das würde ich übrigens für jede andere Feier ebenso unterschreiben, selbst für eine Trauerfeier, wo neben den Tränen und dem Abschiedsschmerz, zumindest gelegentlich doch auch beim Erinneren an die Toten, hier und da ein Lächeln oder gelegentlich auch ein Lachen aufscheint: Ja, genau so war er oder sie! Das ist ganz typisch für sie bzw. ihn gewesen!

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Eigentlich gibt es bei jedem Kennenlerngespräch wie bei jeder Trauzeremonie unvergessliche, einzigartige und berührende Momente, so dass ich ein wenig zögere, etwas Bestimmtes hervor- und damit anderes herabzuheben. Aber nun ja, bei einer Trauung, als die Braut schon in unserem Gespräch vorab ankündigte, sie werde die ganze Trauung nur durchweinen. Beide Eltern waren schon verstorben und damit der Mann ihr einziger Bezugspunkt. Sie zog dann mit einer Handtasche aus Kleenextüchern ein, ließ sich von ihrer Trauzeugin während der gesamten Hochzeit sicher 100 Tränentücher reichen, weinte von Anfang bis Ende durch, und es griff uns allen direkt ins Herz zu sehen, miterleben zu dürfen, wie sie bis ins Innerste gerührt und berührt war, so dass auch wir alle von ihr in der Tiefe berührt wurden.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Für mich bedeutet das ein wechselseitiges Geben und Nehmen, das mich erfüllt. Ich kann mich mit meinen Erfahrungen, meiner Ausbildung, meiner Fähigkeit zum Wahrnehmen und zum Hinhören einbringen – die Paare wiederum teilen mir offen und großzügig von ihrer Liebe, ihre Geschichte, ihrem Profil als Paar mit, ihrem Lachen wie ihrem Weinen. Und alles das fließt dann zusammen in einer Feier, die – so es gut läuft – sich gewaschen hat! Dafür bin ich dann sehr dankbar.

[Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Markus Grünling Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.]

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