Marion Klose: Ich bin freie Theologin – mein Traumberuf

Marion Klose begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen. Was reizt sie an dieser Arbeit? Es ist spannend! Immer wieder erfahre ich von völlig neuen und überraschenden Wegen, wie die Zwei zusammen gefunden haben. Auch haben alle Paare ganz individuelle Wertvorstellungen, die für ihr Zusammenleben wichtig sind.

Sie sind seit fast 27 Jahren als freie Theologin tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Ja! Ich höre Menschen gerne zu. Ihre Lebenslinien interessieren mich. Ich freue mich, wenn es gelingt ihre Anliegen zum Ausdruck zu bringen und für die ganze Hochzeitsgesellschaft nachvollziehbar zu machen. Jedes Paar hat andere Schwerpunkte. Manche wünschen sich eine exotische Mottohochzeit in einem ungewöhnlichen Ambiente, wie beispielsweise eine Motorradhochzeit, Pferdehochzeit, Mittelalterhochzeit, andere wollen, dass es einfach feierlich, entspannt und locker ist. Bei einer freien Zeremonie ist fast alles machbar und keine Idee ist zu ausgefallen, als dass man diese nicht auf die eine oder andere Weise umsetzen könnte.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

An dieser Stelle sind immer alle sehr konzentriert! Auch wenn ein „Ja“ auf ganz traditionelle Fragen kommt, wollen alle diese „Ja“ hören. Oft darf ich dem Brautpaar sehr individuelle Fragen stellen. Das Vertrauen zueinander ist eins der wichtigsten Fakten. Manchmal haben die beiden den Mut ein eigenes Versprechen zu formulieren.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiterin heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Es ist die Gewissheit eine individuelle Arbeit tun zu dürfen. Selbst wenn manche Abläufe sich formal gleichen, stehen doch immer neue Menschen mit ihren Hintergründen im Mittelpunkt.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Zunächst gibt es fast immer ein unverbindliches Kennenlernen. Wenn das Brautpaar sich für mich entscheidet folgen zwei intensive Arbeitstermine. Dazwischen nehme ich Kontakt zu Trauzeugen, Müttern und anderen Mit-Akteuren auf. Die Gäste sind immer mit viel Herzblut dabei. Manchmal braucht es nur wenig Unterstützung, dass Menschen wundervolle, einmalige Beiträge einbringen. Die Brautleute können mich immer anrufen und es wird auch viel hin und her gemailt.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen? Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Als jemand, der Anderen in wichtigen Dingen nah kommen will, hilft es, selber einen festen Stand zu haben. Tolerant und Vorurteilsfrei zu sein, finde ich wichtig. Ein weiterer wichtiger Aspekt ist es, sich auf verschiedene Menschen einlassen zu können und Empathie zu zeigen.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Es darf auch von Herzen gelacht werden, gerade in der angespannten Situation in der das Brautpaar vor der Hochzeitsgesellschaft steht, hilft es den Moment zu entspannen. Das ergibt sich oft von ganz allein, ohne dass es vorher geplant werden muss.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Vor vielen Jahren stand ich auf einem Podest, um ein Brautpaar zu trauen, das auf dem Pferderücken heiraten wollte. In dem Augenblick, als der Bräutigam seiner Frau den Ring anstecken wollte, machte das Pferd der Braut einen Schritt zur Seite! Der Bräutigam musste sich akrobatisch weit hinüber beugen.

Was bedeutet es Ihnen freie Theologin zu sein?

Es gibt mir die Möglichkeit mit Menschen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Ich erfahre Sinndeutungen, die durch das Leben belegt sind. Viele Menschen sind heute nicht mehr durch ihre religiöse Prägung festgelegt. Sie finden Partner, die andere religiöse Wurzeln haben und verbinden sich durch ein gemeinsames Eheversprechen. Ich finde es sehr schön zu sehen, dass es heutzutage keine unüberwindbaren Hürden mehr gibt und dass ich dazu beitragen kann, dass das Paar einen unvergesslichen Tag erlebt.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeits-Gemeinschaft Freier Theologen Einblicke in ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Marion Klose Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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