Knock on wood – die Erneuerung eines Eheversprechens

Neben den klassischen Trauungsfeiern – der grünen Hochzeit also, werden immer mehr Feiern zu Jubiläen angefragt, sei es zum 10jährigen, zur silbernen Hochzeit oder zu jedem beliebig anderem Datum. So verschieden die Feiern, so veschieden sind auch die Anlässe – in diesem Falle eine schwere Erkrankung des Mannes, die er nur knapp und mit Glück überlebt hatte.

Wir treffen uns am Abend im Garten ihres Hauses. Schon als ich reinkomme, tobt draußen die Party: Die zwei sind bekannt für ihre wilden Fêten! Der Bräutigam hat zu einer „Holzfeier“ eingeladen und niemand eingeweiht. Es war der Vorabend zu seinem Geburtstag, Mottofêten von ihm wie ihr sind nichts ungewöhnliches. Neben den beiden Familien ist auch ein großer Freundeskreis von ihr und ihm da, insgesamt etwa 40 Personen samt einer munteren Kinderschar.

Alle werden hereingebeten, Musik erklingt und das Paar setzt sich auf die Loungemöbel vorne, neben sich die Trauzeugen und eines der beiden Kinder, die andere wartet lieber im Hintergrund ab, was das wohl werden wird. Zu Beginn streifen die beide ihre selber geschmiedeten Ringe ab, zwei Nägel werden in ein Holzscheit geschlagen und die Ringe darübergehängt. Ich erzähle einiges aus ihrer Paargeschichte, schlage einen weiten Bogen vom ersten Kennenlernen, über ihre Trauung, den Hauskauf, die Geburt der beiden Kinder bis hin zu seiner Erkrankung, und welche Veränderung die bei ihm und ihnen ausgelöst hat. Eben noch ein junger, kräftiger, erfolgreicher Mann, und dann dem Tod eben noch, mit mehr Glück als Verstand, von der Schippe gesprungen…

Das ändert schlagartig die Perspektive: wirkt in einem nach, verunsichert auf der einen Seite bis hinab ins Unsagbare und öffnet andererseits ein für alle mal die Augen für das Geschenkhafte von allem was ist, wer wir sind und was wir – leihweise – haben. Ein Reifungsschritt wie eine gründliche Herausforderung.

Danach werden die Ringe durch die Reihen gegeben und jede, die will, kann still die Hände darüber halten und einen guten Wunsch damit verbinden. Dazu singt eine Freundin der beiden live. Die Ringe wandern halb feixend, halb von Tränen und Nachdenklichkeit begleitet durch die Reihen… Schließlich stehen alle auf, die Kinder in ihren schmucken Kleidern und dem Blätterreif im Haar tragen das Holzscheit zu zweit vor ihre Eltern. Mit persönlichen Worten erneuern die nach 10 Jahren ihr Eheversprechen und stecken sich erneut die Ringe an. Sie haben manch kritische Situation zusammen durchstanden, haben sogar dem Schlimmsten ins Auge schauen müssen, haben Lachen und Weinen geteilt. All das haben ihre Familien und die Freunde hautnah miterlebt.

Als Symbol für ihre Liebe entzünden die beiden dann gemeinsam in einer Feuerschale ein Feuer aus kleinen Holzscheiten.

Nach der Erneuerung ihres Eheversprechens lade ich alle Mitfeiernden zu guten Wünschen ein, woraus ein sehr persönlicher, bunter, emotionaler und frischer Strauß entsteht, an dem die beide noch lange schnuppern werden.Gegen Ende blasen die Kinder schillernde Seifenblasen, die Erwachsene werfen je ein Holzscheit ins Feuer, das mächtig zu rauchen beginnt und gratulieren dann spontan dem Paar, womit die Feier so fröhlich ausklingt, wie sie begonnen hat! Dicke Holzscheite werden auf’s Feuer gelegt, der Grill liegt bereit, draußen im Kühlwagen blubbern die Getränke und als ich lächelnd das Grundstück verlasse, hege ich keinerlei Zweifel, wie diese Feier weitergehen wird: Ausgelassen, ausdauernd und mit Tiefgang!

Markus Grünling

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Bildrechte: Markus Grünling

Kommentieren