Klein, aber / und Oho!

Apfel auf Stein

Als nach längerer Zeit mal wieder mein Patenkind aus der Nähe von Augsburg vorbeikam, staunte ich nicht schlecht. In ein paar Tagen wird er 17 und macht nun bald sein Abi: ein rundherum smarter Typ. Was er auch anfasst, scheint ihm spielerisch zu gelingen, dazu auf hohem Niveau. Vor allem aber erstaunte mich seine Aufgeschlossenheit, Neugier wie Cleverness.

Wir unterhielten uns locker über dies und jenes, und wie es nicht ausbleiben darf, bei einem Freien Theologen als Pate, auch über >Gott und die Welt<. Offen wie er ist, kombiniert er lässig sein Interesse an Natuwissenschaften mit philosophischen und religiösen Fragen. Wie es zu sein hat in diesem Alter….

Eher beiläufig warf seine Mutter ein, dass er eben gerade dazu ein kleines Büchlein  während der Fahrt gelesen habe. „Wenn Du es willst, kann ich es Dir gerne geben!“ sagte er großzügig.  „Weshalb nicht“, höre ich mich antworten, ohne bei der Reiselektüre eines 16jährigen noch dazu auf dem Rücksitz eines Autos all zu viel zu erwarten. Um so mehr gingen mir die Augen auf, als ich in dem nur 12 x 18 cm kleinem Büchlein mit 7 Kapiteln von Ernst Peter Fischer zu lesen begann. Der Titel des schmalen Bändchen aus der Serie Wissen im Verlag C.H. Beck lautet: >Das wichtigste Wissen<. Ernst Peter Fischer lehrt als Professor für Wissenschaftsgeschichte an den Unis von Konstanz und Heidelberg.

Er schafft es ebenso mühelos wie spielerisch, dazu komprimiert auf kleinstem Raum und gut leserlich geschrieben, die modernsten Erkenntnisse der Naturwissenschaften mit den Grundfragen der Philosophie wie der Religion vorurteilsfrei, galant und witzig zu präsentieren. Schon in den ersten Zeilen werden Aristoteles und Albertus Magnus zitiert, ebenso selbstverständlich wie Leipniz oder Einstein auftauchen. Dabei beschreibt er eben nicht nur eine „Geschichte des Wissens“, was allein für sich schon spannend genug wäre, sondern ordnet sie auch noch einer entsprechenden Philosophie zu und weicht – als Naturwissenschaftler und Schüler eines großen Physikers – auch nicht vor religiösen Grundfragen zurück. Wunderschön etwa, wie er die Philosophie der Aufklärung (Voltaire) mit der Romantik eines Novalis verbindet und beide graziös auf die aufkommenden Naturwissenschaften bzw. die Entdeckungen der Physiker um Heisenberg bezieht.

Ein anregend-komprimierter Spaziergang angefangen von der Entstehung der Schrift, über den Buchdruck, die Geburt der Wissenschaften, Newtons Entdeckungen zum Kosmos bis hin zu Einsteins Relativitätstheorie, der Genetik und den neusten digitalen Umwälzungen. Philosophisch eingebettet, abgewogen Licht- wie Schattenseiten dieser Entwicklung darlegend und auch den größeren Fragen behutsam auf der Spur.

Wirklich eine ganz besondere Entdeckung, für alle, die noch einen Hauch Neugier in sich verspüren. Klein, kompakt, spannend und für nicht mal 10.00 € auch noch mehr als kostengünstig zu erwerben. Dieses Buch lässt einen völlig zu Recht Staunen über den „Zauber des Wissens“! Die Naturwissenschaften und ihr Wissen entzaubern nicht unsere Welt, ganz im Gegenteil lassen sie deren Glanz und Geheimnis erst vor uns ungläubigen blinzendeln Augen entstehen…

Markus Grünling

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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