Klaus Behner: Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Klaus Behner begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit fast 30 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Beruflich mit Menschen in den besonderen Lebenssituationen von Geburt, Erwachsenwerden, Heiraten und Tod zu tun zu haben und sie in ihrem Wunsch zu unterstützen, ihr besonderes Erleben dieser Situationen zu verstärken, zu vertiefen, zu erweitern: das ist tatsächlich ein „Traumjob“, – u.a. deswegen, weil es anderes und mehr ist als ein Job.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Das Versprechen ist eigentlich nur der „dramaturgische Höhepunkt“ einer vielfältig ausgestalteten Feier. Mit ihr wollen die Paare ihr persönliches Erleben „Großer Liebe“ in außergewöhnlicher und „verdichteter“ Weise anderen mitteilen und es mit ihnen teilen. Und so ist die ganze Feier dann im besten Falle für möglichst alle Beteiligten eine möglichst weitreichende Annäherung an das, was das Paar in besten Momenten miteinander erlebt hat und weiter erleben möchte: „Zauberstunde“, „zauberhaft“, „verzauberte Zeit“ – mit nachhaltigen Wirkungen…

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Nach Abschluss des Theologiestudiums (kath.) hatte ich zunächst 3, 4 Praktikumsjahre in der katholischen und evangelischen Kirche absolviert. Danach habe ich mich von einer Lebens- und Arbeitsperspektive in jeglicher verfassten Religions- oder Glaubensgemeinschaft verabschiedet. Der einfache Grund: es war und ist mir da zu eng. Eine Weile nach diesem Abschied gab es Ende 1985 die Anfrage eines befreundeten Paares. Die beiden waren nicht in einer Kirche beheimatet und suchten anlässlich ihrer staatlichen Eheschließung nach „mehr als Standesamt“. Sie wollten mehr als eine „Party“, mehr als ein „Event“ mit irgendwelchen „Gags“. Der wirklich persönliche Anlass für ihre Heirat und für diese Feier – nämlich ihr beider Erleben „Großer Liebe“ –, der sollte in besonderer Weise gewürdigt werden. Die gemeinsam vorbereitete Zeremonie hat dann die Erwartungen aller Beteiligten weit mehr als nur getroffen. Das war für mich der Start in diesen Beruf, für den es weiterhin keine wirklich umfassender zutreffende Bezeichnung gibt.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiter ist heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Für mich ist die Vorbereitung einer Zeremonie genauso wichtig wie die Zeremonie selber – die Zeremonie ist eigentlich eine außergewöhnliche von mir mit vorbereitete und dann moderierte „Selbst-Präsentation“ der Hauptpersonen und ihrer besonderen Anliegen, die sie anderen mitteilen, mit anderen teilen wollen Das Schöne an meiner Arbeit ist es, dass alle Menschen in diesen Situationen besonders ehrlich sind. Mit dem dazugehörigen, wechselseitigen Einlassen und Vertrauen kann ich meine Tätigkeit auch als zeitlich befristetes Eingehen einer „punktuellen Freundschaft“ beschreiben.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Es gibt ein erstes, ca. einstündiges, unverbindliches und kostenfreies Gespräch. Wenn alles zusagt, gibt es ein längeres Treffen, 4-6 Stunden, die immer sehr kurzweilig verlaufen. Alle weiteren gemeinsamen Vorbereitungen zur Fertigstellung der Zeremonie erfolgen dann meist über Telefon und Email. Eine Weile nach der Zeremonie bekommen die Paare alle Texte der Feier – inkl. Ansprache – als schriftliche Erinnerung zugesandt.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Eine spannende, „erfüllende“ Tätigkeit, – aber weil es anderes und mehr ist als ein Job, sollte er/sie sich erstmal einen „richtigen“ Job suchen.

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Sie/er sollte ein gut erwachsenes, d.h. ein für sich – zurück- und vorausschauend – einigermaßen sortiertes, persönliches und berufliches Leben vorweisen können, – das ist vor Mitte 30, Anfang 40 meistens nicht der Fall… – und eine bleibende Offenheit für alle Lebensaspekte, ein umfassend akzeptierender und wohlwollender Blick mit einem besonderen Unterscheidungsvermögen gehören sowieso dazu…

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Zeremonien in diesen Situationen sind immer ein verdichteter Spiegel des „ganzen Lebens“ – insbesondere der Hauptpersonen – darum kann es da nie nur „feierlich ernst“ zugehen. Es ist selbstverständlich immer auch eine heitere, lustige Feierlichkeit, – und auch die Freudentränen dürfen fließen.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Ich möchte mich möglichst bis an mein Lebensende immer wieder gerne an verschiedenste, besonders natürlich an gute und schöne Begebenheiten in dieser Tätigkeit erinnern können.
Ansonsten wünschte ich mir, dass diese derzeit wohl unausweichliche Frage nach dem Schönsten, Schrecklichsten, Lustigsten, Einmaligsten usw. aus dem journalistischen Fragekatalog ersatzlos gestrichen wird.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Wenn ich mal eine erste Wortbedeutung von „katholisch“ nehme – „das Ganze betreffend“, „allgemein“ – , so kann ich jetzt viel katholischer sein als es mir je in der katholischen oder in irgendeiner anderen Kirche möglich gewesen wäre. Ansonsten beschreibe ich mich selbst meist eher als „freischaffenden Theologen“. Die freie Entwicklung meiner Tätigkeit hat mich aber auch dahin geführt, dass „Theologie“ und „Theologe“ längst viel zu spezielle und zu enge Bezeichnungen geworden sind für das, was mich interessiert, was ich tue, woran ich arbeite. Wenn es noch um eine „ -logie“ gehen sollte, wäre ich mit meiner Arbeit in diesen besonderen Lebenssituationen zur Zeit vielleicht tätig im Labor einer neu zu begründenden Anthropologie.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeits-Gemeinschaft Freier Theologen Einblicke in ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Klaus Behner Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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