Jochen Jülicher: Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Jochen Jülicher begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit 17 Jahren als freier Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Zunächst mal war der „Traumjob“ aus der Not geboren. Die Alternative war Taxifahren. Denn wenn man bei „Kirchens“ rausfällt, fällt man sehr hart, „fies op et Föttche“, wie der Kölner sagt.

Aber es hat sich in dem Maße, wie die Existenzsangst schwand immer mehr tatsächlich als ein Traumjob heraus gestellt: Ja, ich bin froh, dass es so gekommen ist und dass ich diese Arbeit machen darf. Dass ich inzwischen einige Mitarbeiter habe und mich auch endlich wieder etwas mehr auf Exerzitienbegleitung und auf die Ausbildung anderer RednerInnen konzentrieren kann. Das macht echt Laune!

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Merkwürdige Frage – die Stimmung erzeugen doch im Wesentlichen die Paare selbst und deren Stimmung ist entscheidend. Ich gebe ihnen nur einen geschützten und einigermaßen liebevoll gepflegten Rahmen, in dem sie sich entfalten können.

Was ich selbst dabei erlebe, ist, dass ich ganz oft in dem Moment auch mein eigenes Trauversprechen erneuere, auch wenn das manchmal ein ganz klein wenig sentimental ist…

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Deutschlehrer, kath. Priester und Krankenhausseelsorger, große Midlifecrisis, Amtsaufgabe. Wer will, kann sich die Geschichte 4 Minuten lang in der ZDF-Mediathek anschauen.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiter ist heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Glückliche Gesichter? – Schon mal auf ner Trauerfeier gewesen?? – Nein, die Gesichter machen es nicht. Ausschlaggebend ist vielmehr, dass ich in diesem Beruf Menschen in wichtigen Phasen ihres Lebens nahe sein kann, ich darf sie ein Stück lang geleiten. Das hat eher etwas mit Unverstelltheit, Echtheit zu tun; damit dass ich Menschen so erleben darf, wie sie wirklich sind.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Bezogen auf Hochzeiten: Es gibt immer erst ein (kostenloses) Info- und Kennenlerngespräch. Das dauert in der Regel 30 – 45 Min. Dann folgen zwei Vorgespräche, eines recht bald nach der Anmeldung, das zweite etwa drei bis vier Wochen vor der Hochzeit. Dazu gibt es im ersten Gespräch ein paar Reflexionsfragen mit nach Hause, wodurch sich dann noch so einiges an Emailkontakt ergibt. Und natürlich kommt es nach der Feier noch mal zum Kontakt, aber nicht mehr strukturiert.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

Ich bin freiberuflicher Theologe, d. h. ich mache im Wesentlichen Hochzeiten, Taufen und auch Trauerfeiern für Menschen, die keinen oder nur noch wenig Kontakt zur Kirch haben, sozusagen „statt Kirche“.

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Wer jetzt? Der Nachbar?

Für den Beruf als HochzeitsrednerIn bedarf es keiner formalen Voraussetzungen. Wenn er/sie sich für mein Team oder als Partner bewerben will, muss er/sie die interne Ausbildung bei mir durchlaufen und dazu, berufsbegleitend eine gediegene Ausbildung in Trauerbegleitung und in Gesprächsführung. Erstebenswert ist es, dass er/sie ein Studium der Theologie oder Psychologie oder „artverwandter“ Bereiche absolviert hat. Ebenso wichtig aber sind Charakter und Einfühlungsver­mögen und natürlich Teamfähigkeit.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Inzwischen kann ich sagen: Es ist ein wesentlicher Bestandteil meines Lebens. Ich habe das Gefühl, am richtigen Ort zu sein.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Jochen Jülicher  Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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