Hausaufgaben für das Brautpaar? Jawohl!

Eine Hochzeitszeremonie kann nur dann wirklich persönlich und individuell gestaltet werden, wenn das Brautpaar sich mit seinen Wünschen und Ideen in die Vorbereitungen einbringt. Ich unterstützt meine Brautpaare mit Hausaufgaben dabei, solche eigenen Ideen zu entwickeln und habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Wenn sich ein Brautpaar für eine Freie Trauung entscheidet, hat es am Anfang meist nur eine recht vage Vorstellung von Ablauf und Inhalt derselben. Das ist völlig normal und auch gar kein Problem. Schließlich sind wir Freien Theologen die Profis auf diesem Gebiet und also solche dafür da, dem Paar mit Anregungen und Ideen beratend zur Seite zu stehen. Um eine individuelle Hochzeitszeremonie gestalten zu können, bin ich aber dennoch auf die Mitarbeit des Brautpaares angewiesen. Nur das Paar kann wissen, welche Musik es sich für die Zeremonie wünscht. Nur das Paar kann entscheiden, welches Gedicht, welcher Text zur eigenen Art der Beziehung passt. Braut und Bräutigam müssen sich überlegen, wie und mit welchen Worten sie sich das Ja-Wort geben wollen, oder ob es eine andere Form des Eheversprechens sein soll. Braut und Bräutigam müssen eine Vorstellung davon entwickeln, ob und wie sie Trauzeugen oder andere Personen in ihre Trauung mit einbeziehen wollen und vieles mehr.

Vom Unkonkreten zum Konkreten

Bewusst schreibe ich hier: Vorstellung entwickeln, denn wie oben bereits erwähnt: Es ist ganz normal, wenn die Ideen dazu anfangs eher unkonkret sind. Damit sie aber im Laufe der Zeit immer konkreter werden, gibt es in dem Vorbereitungsprozess mit mir „Hausaufgaben“ für das Brautpaar. Das mag etwas ungewöhnlich klingen und hier und da wohl auch Erinnerungen an die Schulzeit wecken. Aber im Gegensatz zur Schule gibt es bei mir natürlich keinen Eintrag, sollten die Hausaufgaben vergessen werden und erst recht keine Noten.

Vielmehr sollen die Fragen, die ich vor dem ersten und dann noch mal vor dem zweiten Treffen verschicke, das Paar dabei unterstützen, sich eine eigene Meinung zu den oben angesprochenen Punkten – Musik- und Textauswahl, Eheversprechen, Gäste-Einbeziehung usw. – zu bilden. Das ist dann die Basis für unser Treffen. Es geht mir also gar nicht darum, dass das Paar die Fragen schriftlich beantwortet und mir zurückschickt, vielmehr soll es v.a. miteinander über die einzelnen Punkte ins Gespräch kommen und sich darüber austauschen.

Notizen zur eigenen Geschichte

Ein solch spannender Austausch kann dann auch stattfinden, wenn es um die eigene Geschichte geht, denn das betrifft eine weitere Hausaufgabe. Ich bitte die Paare, mir im Vorfeld ein paar Sätze und Daten dazu schriftlich zukommen zu lassen: vom ersten Sehen über eventuelle Schwierigkeiten beim Zueinanderfinden, Krisen in der Beziehung aber natürlich auch besonders schöne Zeiten und Erlebnisse bis zum Heiratsantrag oder der gemeinsamen Entscheidung: Wir wollen heiraten.

Die Ausführungen der Paare umfassen manchmal ein paar Stichpunkte, manchmal sind es drei eng beschriebene A4-Seiten, manchmal schreiben beide Partner sogar getrennt voneinander ihre Version auf. Da ist es dann besonders spannend zu lesen, wer sich woran und in welcher Form erinnert. Beim vorbereitenden Lesen dieser „Liebesgeschichten“ bekomme ich einen ersten Eindruck von dem, was das Paar schon miteinander erlebt hat – das ist meine Form der Vorbereitung auf das anschließende Treffen. Oftmals kommen mir dabei auch erste Ideen, wie einzelne Punkte mit in die Zeremonie einfließen könnten.

Eine wichtige Art der Vorbereitung

In jedem Fall sind die Hausaufgaben und die anschließenden Gespräche darüber für die Brautpaare eine wichtige und noch mal ganz andere Art der Vorbereitung auf ihren großen Tag. Eine Vorbereitung, in der es mal nicht um die Farbe der Servietten und des Blumenschmucks geht oder darum, wer mit wem wo sitzen soll. Sondern bei dieser Vorbereitung beschäftigen sich die Paare mit dem, worum es an dem Tag ja eigentlich gehen soll: Ihre Liebe zueinander und das, was diese Liebe ausmacht. Und genau dafür sind viele Paare im Nachhinein sehr dankbar, entdecken sie dabei doch oft so manches – Verbindendes, gemeinsam Gemeistertes, bisher Unausgesprochenes – was ihnen vorher gar nicht bewusst war.

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Kommentieren