Freie Trauung und standesamtliche Trauung – geht das auch zusammen?

In den allermeisten Fällen finden standesamtliche und Freie Trauung getrennt voneinander statt.
Dass dies durchaus sinnvoll ist und was Sie bedenken sollten, wenn Sie dennoch Beides miteinander verbinden wollen, möchte ich Ihnen anhand zweier Beispiele näher bringen.

Beispiel 1 – eine gelungen Verbindung

In den 11 Jahren meiner Arbeit als Freie Theologin hatte ich bisher aber auch zweimal die Situation, dass die standesamtliche Trauung in die Freie Trauung integriert wurde – bzw. umgekehrt.
Im Ersten Fall handelte es sich um ein deutsch-norwegisch/schwedisches Paar statt. Die Trauung fand in einem Gutshaus in Schweden statt, in dem anschließend auch gefeiert wurde. Die Freie Trauung, dich ich gemeinsam mit dem Brautpaar vorbereitet hatte, bildete hier den Gesamtrahmen. Nach meiner Ansprache an das Brautpaar vollzog die Standesbeamtin „kurz und schmerzlos“ das bürokratische Prozedere, das für die Rechtsgültigkeit der Ehe notwendig war und übergab anschließend wieder das Wort an mich. Das Brautpaar gab sich gegenseitig ein Eheversprechen, es folgten Trauwünsche von mir für das Paar und auch die Gäste wurden mit ihren Wünschen einbezogen. In dieser Form erlebte ich das Zusammenspiel von mir und der Standesbeamtin als sehr harmonisch und stimmig. Die standesamtliche Trauung fügt sich fast organisch in die Freie Trauung ein, ohne den Gesamtablauf oder die Stimmung zu stören.

Beispiel 2 – ein etwas holprige Verbindung

Beim zweiten Mal fand die Trauung in Deutschland statt. Der zuständige Standesbeamte war einverstanden, dass ich als Freie Theologin dabei sein und einzelne Teile der Zeremonie übernehmen würde. Bei der Abstimmung im Vorfeld wurde deutlich, dass wir diesmal aber weniger Freiheiten bei der Gestaltung haben würden. So gab es z.B. eine engere zeitliche Vorgabe, und der Standesbeamte bestand darauf Begrüßung und Verabschiedung des Paares und der Gäste zu übernehmen. Die standesamtliche Trauung war hier also ganz klar der Rahmen, in dem lediglich einzelne Elemente einer Freien Trauung Platz fanden. Erneut hielt ich die Rede für das Brautpaar und der Standesbeamte vollzog die eigentliche Trauung mit Ja-Wort und Unterschrift. Mein Part waren dann wieder Hinführung zum Ringtausch und die Wünsche für das Brautpaar.

Insgesamt empfand ich den häufigeren Wechsel zwischen Standesbeamten und mir bei der Moderation der Trauung als ungünstig, v.a. da sich unsere Art des Sprechens stark unterschied. Meine sehr persönlichen Worte an Brautpaar und Gäste standen mitunter in deutlichem Kontrast zu den standardisierten Sätzen des Standesbeamten. Dadurch wirkte die ganze Trauung weniger wie aus einem Guss und am Ende auch weniger feierlich.

Von Kollegen weiß ich, dass es auch in Deutschland möglich ist, eine standesamtliche Trauung in eine Freie Trauung zu integrieren. Das geht allerdings nur an Orten, die offiziell für standesamtliche Trauungen zugelassen sind. Auch bzgl. der möglichen Uhrzeiten gibt es hier Einschränkungen, da Standesbeamte andere Arbeitszeiten haben als Freie Theologen.

Fazit

Es ist möglich, standesamtliche und Freie Trauung miteinander zu verbinden. Voraussetzung ist in jedem Fall die Bereitschaft und das Wohlwollen des Standesamtes. Bewusst sein sollte man sich, dass eine solche Verbindung durch die rechtlich einzuhaltenden Formalien und zeitlichen Vorgaben die Gestaltungsmöglichkeiten gegenüber einer reinen Freien Trauung einschränkt, z.B. wenn es um die Einbindung bestimmter Rituale geht. Nicht zu unterschätzen ist auch, wie die Stimmung und Atmosphäre geprägt wird von den bürokratischen Anteilen. Nicht zuletzt ist der Freie Theologe / Redner Gast im Standesamt und muss sich mit den herrschenden Spielregeln arrangieren.

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

1 Kommentar

  1. Birgit Aurelia Janetzky sagt

    Vor kurzem hatte ich eine Freie Trauung zusammen mit einem Standesbeamten und kann deine Einschätzung bestätigen. Wenn der Standesbeamte/ die Standesbeamtin offen ist, macht es richtig Spaß: die Absprachen funktionieren, der doppelte Termin für das Brautpaar fällt weg, die Doppelung beim Ja-Wort und Ringtausch ebenso. Allerdings ist meine Erfahrung, dass es dazu eine Location braucht, die für die standesamtliche Trauung zugelassen ist und die Trauung nicht im 20 Minuten-Takt auf dem Standesamt stattfindet.

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