Was ist bei einer Freien Trauung heute anders als vor über 20 Jahren?

Das Phänomen Freie Hochzeit / Trauung ist eine vergleichsweise junge Erscheinung – bedenken wir, dass seit Jahrtausenden geheiratet wird. Doch erst vor rund 20 bis 30 Jahren kamen junge Leute auf die Idee, es anders haben zu wollen, als es ihnen die beiden sog. Amtskirchen mit ihren recht festen liturgischen Formen bei einem Traugottesdienst jeweils anbieten.

Selbst, wenn ich als Freier Theologe behaupten kann, zu den „Erfindern“ der Freien Hochzeit zu gehören, die eigentlichen Erfinder sind doch die Brautpaare, welche zunächst mit dem Anliegen auf mich zukamen: „Wir wollen es in der Zeremonie nach dem Standesamt persönlicher – wir wollen es individueller – wir wollen uns nicht verbiegen – wir wollen mehr mit unseren eigenen Wünschen vorkommen – wir wollen auch die Musik, die uns selber gefällt!“

Trotzdem war eine Freie Trauung Anfang der Neunziger Jahre einer kirchlichen Hochzeitsfeier bestimmt noch ähnlicher als heute. Klar, das Jawort und den Ringwechsel, das wollen die Paare auch heute noch – aber wie das alles ausgestaltet und mit weiteren Symbolen ergänzt wird, das ist doch inzwischen von der Art her viel variabler geworden. Die Leute haben heute eine größere Vorstellung von ihren eigenen Wünschen und Erwartungen; neue Bilder entstehen bereits in Kopf und Herz, bevor sie an den Freien Theologen herangetragen werden.

Und die Orte und Locations werden heute allein nach dem Gesichtspunkt ausgewählt: „Wo fühlen wir uns – und zusammen mit unseren Familien und Freunden wohl?“ Immer weniger werden dafür meiner Erfahrung nach Kirchengebäude und Kapellen gesucht, über welche die Religions-Gemeinschaften sowieso eifersüchtig wachen (wenn sie nicht Privatleuten, Kommunen oder staatlichen Einrichtungen gehören).

Auch der Freie Theologe wurde immer lockerer!

Meine erste Freie Hochzeit jedoch hielt ich damals nicht nur wie fast noch selbstverständlich in einer Kirche ab – das Paar wollte neben dem Segen Gottes auch zusätzlich den offiziellen Segen der Kirche haben (weil „man“ es so gewohnt war) – und so hatte ich mich darum zu bemühen, eine Genehmigung sowohl für meine Person wie für die ortsfremde Kirche zu bekommen. Das ist nie wieder geschehen, denn ohne den „alten Muff“ des preußisch-schwarzen Talars fühlen sich alle besser.

Schon beim ersten Mal waren die Angehörigen begeistert, wie viel mehr das Paar mit seiner Geschichte und seinen eigenen Vorstellungen von Zukunft in meiner Ansprache vorkam – aber der Segen und auch die Orgelmusik: sie waren doch eher klassisch.

Heutzutage geht es auch ohne ausdrücklichen Segen „von oben“ (obwohl mich keine Kirche daran hindern kann einen solchen zu spenden, wenn das Paar dies möchte) – die guten Wünsche fürs Leben (also ein „echter“, aber säkularer „Segen“) kommen immer von Herzen und oft aus dem Mund von anwesenden Gästen. Diese fühlen sich im wahrsten Sinne des Wortes bei einer Trauung dann ebenfalls innerlich frei und äußerlich ungezwungen.

Frei heißt bei einer Hochzeit eben nicht beliebig, sondern natürlich und authentisch! Erst zuhören – dann reden.

Peter Kessner

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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