Ein bisschen Segen

Gleich mal vorweg: 80% der freien Trauungen bei mir im „katholischen Rheinland“ sind weltlich, will sagen ohne jeden Gottesbezug, und das ist völlig in Ordnung so.

Wenn ich Brautleute – ich mache das immer sehr vorsichtig – danach frage, ob sie sich für Ihre Trauung einen Segen wünschen, dann höre ich nicht selten ihre ganze „Kirchengeschichte“, dass er Messdiener war oder sie konfirmiert ist und dass sie mit diesem ganzen Brimborium nichts anfangen können. Okay, sage ich dann, deshalb seid ihr ja auch bei einem freien Theologen, das können wir also in aller Ruhe abhaken. Aber was dann? – Und was ich dann zu hören bekomme, verwundert mich oft: „Ja, so ein bisschen Gott darf schon sein“ oder „kann man nicht auch irgendwie einen anderen Segen bekommen?“ – Kann man!

Ich finde, vereinfacht gesagt: Wer wirklich Liebe lebt, kommt irgendwann beim lieben Gott aus, egal unter welchem Namen. Das beinhaltet schon, dass man die Liebe, die man so erst mal zu zweit erlebt, nicht ausschließlich für sich behält, sondern etwas davon teilt, weitergibt. Aber das ist für die Meisten ganz selbstverständlich. Im Gegenteil, viele erfahren dass die Liebe, die sie erleben, mehr ist und stärker ist als das, was sie selber „machen“ können. Das was sie erleben, übersteigt sie selbst. Das ist gut so. Aber muss man das gleich „Gott“ nennen? – Nein, ach was, um Gotteswillen! Das Wort ist ebenso belastet wie überflüssig in diesem Kontext. Es geht darum, der Spur dieser Liebe weiter zu folgen; darauf zu achten, dass sie nicht Verschütt geht oder sich mit der Zeit auf irgendein Mittelmaß reduziert. Das kann man bei einer Trauzeremonie ja auch mal laut sagen: „Möge eure Liebe lebendig bleiben. Möge sie nicht stillstehen bei euch selber und auch für andere sichtbar und spürbar sein. Möge sich bei euch keiner ausgeschlossen fühlen. Und mögt ihr selbst in Liebe bewahrt und beschützt sein.“ So oder so ähnlich. In eurer Liebe seid ihr für uns ein Segen! Geht doch.

Jochen Jülicher

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Kommentieren