Die Brücke

Gelegentlich genügt der richtige Standort, um mit einem Blick eine ganz Stadt samt deren Geschichte zu überblicken. Wer je auf der steineren Brücke von Regensburg stand, weiß wovon ich spreche.


Du siehst den Dom von St. Peter, die unzähligen Stadttürme, das große Salzlagerhaus, die Stadtmauer und alles liegt dir zu Füßen: Natürlich – die Brückenfunktion der Stadt auf den alten Handelswegen zwischen Italien, Böhmen und Polen haben ihr immensen Reichtum zugespült, mit der Donau als Schifffahrtsweg. Ein Höhepunkt nach der Gründung um 179 als Römerlager, war die Errichtung der „steineren Brücke“ von 1135/36 bis 1146/47. Zu diesen Zeiten als es nur Holzbrücken, Schiffsbrücken, Fährverbindungen oder Furten gab, erregte jene Baumeisterleistung hohes Aufsehen in ganz Europa. Diese Brücke hier gilt als Vorbild für die anderen berühmten Brücken in Avignon, Dresen oder Florenz.

Kein Wunder – seit den Römern war die Technik zu so einem Bauwerk in Vergessenheit gerate- dass sich daran eine Legende anlagerte, wie das Schwemmholz im Winter: „Der Baumeister hätte, um vor dem Dom fertig zu sein, mit dem Teufel einen Bund geschlossen, dass die ersten drei Seelen, die über die Brücke gingen, ihm gehören sollten. Nach nur zwöf Jahren, mit dem Gehörnten im Bunde, war die Brücke fertiggestellt. Der Baumeister aber, ein smarter Mann, trieb zuerst eine Katze, dann ein Huhn und schlussendlich einen Hahn über die Brücke. Der übel getäuschte Teufel wütete zwar mit all seiner Kraft gegen die Brücke, aber einmal fest verankert, hielt die Brücke allen seinen Anschlägen bis heute stand.“

Erst als sich die Handelswege im frühen 15. und 16. Jahrhundert verlagerten, verarmte die Stadt und behielt so ihr Aussehen bis heute, so dass sie 2006 Unesco – Weltkulturerbe wurde. Natürlich ahnt ein Freier Theologe, dass damit die Symbolik einer Brücke kaum angekratzt wurde. Sie versinnbildlicht den Übergang von hier nach dort, die Schwellensituation, halb bedrohlich halb beflügelnd, um deretwillen Rituale und Zeremonien begangen werden.

Dies Lied aus dem Mittelalter, ein Totentanz, singt davon:

Es führt über den Main, eine Brücke von Stein,
wer darüber will geh’n, muss im Tanze sich dreh’n. Fa-la-la-la-la, fa-la-la-la-la

Kommt ein Fuhrmann daher, hat geladen gar schwer,
seiner Rösser sind drei, und sie tanzen vorbei. Fa-la-la…

Kommt ein Mädchen allein, auf die Brücke von Stein,
fasst ihr Röckchen geschwind, und sie tanzt wie der Wind. Fa-la-la…

Kommt ein Bursch ohne Schuh, und in Lumpen dazu,
als die Brücke er sah, hei wie tanzte er da. Fa-la-la…

Und der König in Person, steigt herab von seinem Thron,
kaum betritt er das Brett, tanzt er gleich Menuett. Fa-la-la…

Liebe Leute, herbei, schlagt die Brücke entzwei!
Und sie schwangen das Beil, und sie tanzten derweil. Fa-la-la…

Alle Leute im Land kommen eilig gerannt.
Bleibt der Brücke doch fern, denn wir tanzen so gern. Fa-la-la…

Es führt über den Main, eine Brücke von Stein,
und wir fassen die Händ und wir tanzen ohn´ End´. Fa-la-la…

 

 

Markus Grünling

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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