Der Richtige Name zur Ehe

Welchen Namen tragen wir gemeinsam? Diese Frage stellt sich jedem Brautpaar vor dem Gang zum Standesamt. Denn heute ist nicht der Name des Mannes automatisch der Ehename, sondern das Paar kann sich auch für den Namen der Frau als Ehenamen entscheiden.


Welcher Name wird Familienname und wer führt einen Doppelnamen – oder soll jeder seinen eigenen Namen behalten. Die gesetzlichen Regelungen zum Namensrecht machen dies alles möglich. Nachzulesen ist das im BGB § 1355 *. Übrigens: der Name des Mannes wurde vor der Eherechtsreform 1976/77 stets der Ehename; doch seit 1957 konnte die Frau bereits ihren eigenen Familiennamen an den Ehenamen anhängen. (Quelle: Wikipedia)

Wie soll ich mich entscheiden?

Die Gesetze sind das eine, die persönliche Entscheidung das andere. Jeder hat einen Bezug zu seinem Namen und da wir heute immer später im Leben heiraten, wird der biografische Bezug zum eigenen Namen zeitlich gesehen länger und damit intensiver. Also, was tun? Bei den Vorbereitungsgesprächen zu einer freien Trauung spreche ich mit jedem Paar kurz über dieses Thema, da ich in der Traurede oder beim Trauritual von der Entscheidung des Paares berichte. Haben Braut und Bräutigam beim Standesamt gesetzlich geheiratet und für welchen Namen haben sie sich entschieden, das interessiert die Gäste. Doch auch für das Brautpaar selbst ist es spannend, während einer feierlichen Trauung ihren „neuen Namen“ zu hören.

Wollen wir einen gemeinsamen Ehenamen haben?

Viele Paare entscheiden sich für einen gemeinsamen Namen. Warum? Da bekomme ich Aussagen wie:

  • Wir fühlen uns als Einheit und wollen dies mit einem gemeinsamen Namen auch nach außen zeigen.
  • Wir wollen hörbar und lesbar zeigen, dass wir zusammen gehören, dass wir eine Familie sind.

Ein Partner muss also zugunsten eines gemeinsamen Namens den eigenen Namen aufgeben. Trotz der Überzeugung, eine Einheit zu sein, kann dies eine schwere Entscheidung sein, die durchaus zu kontroversen Diskussionen führen kann. Allerdings erlebe ich auch Paare, für die es absolut klar ist, welcher Name behalten und welcher aufgegeben wird. Meist wird dann der Name des Mannes zum Ehenamen, ich habe jedoch auch schon erlebt, dass es ganz klar war, den Namen der Frau zum Ehenamen zu nehmen. Manchmal vertagen Paare die Entscheidung, welcher Name denn nun Familienname wird, bis sie eine Familie gründen.

Entscheidungsgründe

Wenn ich das so beobachte, stelle ich fest, dass bei der Entscheidung zum Ehe- und damit zum Familiennamen hauptsächlich emotionale Beweggründe eine Rolle spielen. In erster Linie entscheiden sich Paare dazu, als Ehenamen den Namen des Mannes zu übernehmen. Der Mann behält seinen Namen, die Frau nimmt ganz klar und auch mit Freuden den Namen des Mannes an. Überwiegend sind es traditionelle Überlegungen, die zu dieser Entscheidung führen. Das, was uns bekannt, was etabliert ist können wir einschätzen und wissen, ob es sich bewährt hat. Dieser praktische Aspekt wird durchaus benannt. Dabei ist es nicht unbedeutend, wie Familie und Freunde den „neuen Namen“ kommentieren und beurteilen, wie er bei Arbeitskollegen und -kolleginnen ankommt oder wie er am besten bei Firmenkontakten geregelt werden kann. Viele Paare entscheiden sich für einen Namen und der andere Partner, meist die Frau führt einen Doppelnamen. (s. BGB § 1355 *).

Entscheiden sich Paare auch für den Namen der Frau?

Einige Paare entscheiden sich in der Tat für den Namen der Frau. Ehrlich gesagt, sogar mehr, als ich dachte. Manchmal, weil die Frau einen schönen Name führt und der Klang gut zu beider Vornamen passt, oder die Braut die Einzige in der Herkunftsfamilie ist, die diesen Namen noch weitergeben kann. Auch wenn der Beruf der Frau stark mit ihrem Namen verknüpft ist, weil sie vielleicht selbständig ist, kann es sein, dass sich beide für den Namen der Frau entscheiden. Es kommt auch vor, dass der Mann tatsächlich einen Namen hat, von dem er froh ist, sich trennen zu können.

Heute kann jeder seinen Namen behalten

Manchmal gibt es Gründe, die nahelegen, dass jeder seinen eigenen Namen behalten möchte. Das ist seit 1991/1993 möglich (s. BGB § 1355 *). Oftmals führen berufliche Gründe dazu, den je eigenen Namen auch in der Ehe weiter zu behalten. Dies kann sein, wenn die Frau selbständig ist und ihre Tätigkeit mit ihrem Namen verbunden ist und auch der Mann seinen Namen behalten möchte. Hier haben wir also rationale und emotionale Gründe vorliegen. Es kann jedoch auch sein, dass ein Partner oder beide Partner Kinder mitbringen und aus diesem Grund jeder seinen Namen behalten möchte.

Wie habe ich mich entschieden?

Ich selbst habe vor ein paar Jahren geheiratet bzw. offiziell heißt es verpartnert, da ich meine Frau geheiratet habe. Die Namensregelungen für Eheschließungen gelten mittlerweile auch für die Verpartnerung gleichgeschlechtlicher Paare. Wir haben uns dazu entschieden, dass jede von uns ihren Namen behält. Mir war, da ich freiberuflich schaffens-tätig bin, die Verknüpfung meines Namens mit meiner Tätigkeit als freie Theologin wichtig. Unsere Kinder hatten bereits den Namen meiner Frau und das sollte auch so bleiben. Und meine Frau ist auch noch die einzige Namensträgerin Ihrer Herkunftsfamilie. Wir leben mit dieser Regelung seit Jahren und es funktioniert prima. Mittlerweile verwende ich privat, vor allem wenn es um die Kinder geht, häufiger den Namen meiner Frau. Es erleichtert meinem Gegenüber oftmals, die Bezüge herzustellen und ich muss nicht so viel erklären.

Anna Held

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Bildrechte: Anna Held

* Bürgerliches Gesetzbuch (BGB), § 1355 Ehename
(1) Die Ehegatten sollen einen gemeinsamen Familiennamen (Ehenamen) bestimmen. Die Ehegatten führen den von ihnen bestimmten Ehenamen. Bestimmen die Ehegatten keinen Ehenamen, so führen sie ihren zur Zeit der Eheschließung geführten Namen auch nach der Eheschließung.
(2) Zum Ehenamen können die Ehegatten durch Erklärung gegenüber dem Standesamt den Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens geführten Namen der Frau oder des Mannes bestimmen.
(3) Die Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens soll bei der Eheschließung erfolgen. Wird die Erklärung später abgegeben, so muss sie öffentlich beglaubigt werden.
(4) Ein Ehegatte, dessen Name nicht Ehename wird, kann durch Erklärung gegenüber dem Standesamt dem Ehenamen seinen Geburtsnamen oder den zur Zeit der Erklärung über die Bestimmung des Ehenamens geführten Namen voranstellen oder anfügen. Dies gilt nicht, wenn der Ehename aus mehreren Namen besteht. Besteht der Name eines Ehegatten aus mehreren Namen, so kann nur einer dieser Namen hinzugefügt werden. Die Erklärung kann gegenüber dem Standesamt widerrufen werden; in diesem Falle ist eine erneute Erklärung nach Satz 1 nicht zulässig. Die Erklärung, wenn sie nicht bei der Eheschließung gegenüber einem deutschen Standesamt abgegeben wird, und der Widerruf müssen öffentlich beglaubigt werden.
(5) Der verwitwete oder geschiedene Ehegatte behält den Ehenamen. Er kann durch Erklärung gegenüber dem Standesamt seinen Geburtsnamen oder den Namen wieder annehmen, den er bis zur Bestimmung des Ehenamens geführt hat, oder dem Ehenamen seinen Geburtsnamen oder den zur Zeit der Bestimmung des Ehenamens geführten Namen voranstellen oder anfügen. Absatz 4 gilt entsprechend.
(6) Geburtsname ist der Name, der in die Geburtsurkunde eines Ehegatten zum Zeitpunkt der Erklärung gegenüber dem Standesamt einzutragen ist.

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