Der Heiratsantrag ist männlich!

Die Erkenntnis entstammt nicht einer Statistik, sondern meinen Gesprächen mit den Brautpaaren: Auch in Zeiten der Gleichberechtigung ist der Heiratsantrag Männersache. Den ersten Kuss initiieren aber durchaus auch öfter mal die Frauen.

Wer heute eine Beziehung anbahnen möchte, kann oder muss sich nicht mehr immer auf die tradierten Regeln verlassen. Der Weg bis zum gemeinsamen Statement: „Wir sind ein Paar!“ ist bei vielen Paaren mit Unsicherheit gepflastert: Wer geht auf wen zu? Darf ich ihn einfach küssen oder muss ich warten, bis er es tut? Bin ich für ihn nur eine Kumpeline oder will er auch „mehr“?  Will sie nur Sex oder ist sie auch an einer festen Beziehung interessiert?

Die 1. Hürde wird gleichberechtigt und gemeinsam genommen

Wenn ein Mann es einer Frau angetan hat, darf sie schon auch deutlich und direkt zeigen, was – bzw. wen – sie will. Und schüchterne Männer sind durchaus dankbar, ohne sich in ihrer Mannesehre gekratzt zu fühlen, wenn sie ihn zuerst küsst oder zu einem DVD-Abend mit Übernachtung einlädt. In der Beziehungsanbahnung kommt zusammen, wen es zu einander zieht. Jedes Paar hat da seine eigene Geschichte, und es ist oft sehr berührend (und auch erheiternd), sie noch einmal im Gespräch nachzuvollziehen. Wer wann was wie initiiert hat, ist dabei eher Nebensache. Das Ergebnis zählt.

Mingles, friends with benefits, offene Beziehung – der Heiratsantrag schafft Klarheit

Ist man ein Paar, hört die Verunsicherung nicht schlagartig auf. Mann und Frau lernen einander besser kennen. Es gibt Krisen und kurzzeitige Trennungen. Fernbeziehungen, oft durch Studium oder Beruf bedingt, stellen den Zusammenhalt auf eine harte Probe. Da kommt immer mal wieder die Frage auf: Wollen wir wirklich eine klassische Ehe? Können wir sie leben? Oder passen andere Formen des Zusammenlebens besser zu uns? Diese Fragen gären oft in beiden über viele Monate, ohne dass darüber gesprochen würde. Wie sich häufiger im Nachhinein herausstellt, denkt die Frau früher über einen Heiratsantrag nach als der Mann. Nahezu alle Frauen sind sich aber einig: Die Initiative dazu muss vom Mann kommen. Und im Grunde alle Männer sind sich einig: Wenn Heiratsantrag, dann von mir! Auch wenn mancher Mann davor mehr Bammel hat als vor einem Staatsexamen, sie lassen ihn sich nicht von der Frau aus der Hand nehmen.

Ausgesprochene Worte haben schöpferische Kraft

Ob klassisch mit Kniefall und Rosen, spontan nach einem berührenden Erlebnis (die Verlobungsringe werden dann einfach nachgereicht) oder als flash mob inszeniert: Der Heiratsantrag braucht eine laut und deutlich gestellte Frage – und natürlich eine eindeutige Antwort. Viele meiner Brautpaare, selbst die, die schon lange Bett und Tisch teilen, sind überrascht von der starken Wirkung des Heiratsantrags. Er schafft Klarheit. Und er stärkt den Zusammenhalt noch einmal ungemein. Wichtiges gehört eben ausgesprochen! Das gilt für den Heiratsantrag wie auch später für das „Ja, ich will!“ in der Trauung.

Christiane Linke

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)  

Kommentare (2)

  1. Kenzo sagt

    Ich bin ganz und gar nicht der Auffassung und kenne viele Paare, bei denen die Frau den Antrag gemacht hat, bzw. beide sich in Gesprächen dazu entschlossen haben. Meiner Ansicht nach spiegelt diese Entscheidung einfach die Beziehungskonstellation wieder – und alle 3 Optionen können für das Paar stimmig sein! Meinen Sie nicht?

  2. Christiane Linke sagt

    Ich bin ganz Ihrer Meinung! Ich habe von den Erfahrungen „meiner“ Brautpaare berichtet. Und da war es tatsächlich so, dass sich die Männer den Heiratsantrag nicht nehmen ließen. Auch wenn vorher gemeinsam über das Heiraten gesprochen wurde oder gar die Verlobungsringe gemeinsam gekauft wurden. In einem kuriosen Fall allerdings hatten tatsächlich Mann und Frau bei gleichem Anlass vor, einen Heiratsantrag zu machen. Es gab zwei Paar Verlobungsringe. Die Frau hielt sich dann mit ihrem Antrag zurück (weil sie von einer dritten Person per sms informiert wurde, dass da von Männerseite aus was im Busche war). Ein wunderschöner Aufhänger übrigens für eine Traurede. (-;
    Wie auch immer: Am Ende zählt, dass beide Ja zueinander sagen. Und das möglichst jeden Tag wieder neu.

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