Der Begriff Hochzeitsredner ist nicht geschützt

Ohne Zweifel: Freie Trauungen sind in. Zum einen, weil immer mehr Menschen aus der Kirche austreten und dabei entdecken, dass Kirche und Glaube zwei Paar Schuhe sind; zum anderen weil eine freie (d.h. konfessionsfreie) Trauung viel mehr Möglichkeiten bietet. Inzwischen sind übrigens 80% der Trauungen, die ich übernehmen darf, ohne jeglichen explizit gläubigen Bezug.

Es sind aber auch in den letzten ein, zwei Jahren immer mehr Anbieter auf diesen Zug aufgesprungen. Da der Begriff „Hochzeitsredner(in)“ in keiner Weise geschützt ist, kann sich jeder so nennen. So gibt es denn inzwischen quasi an jeder Ecke jemanden, der Trauungen anbietet, frei nach dem Motto: „Haare schneiden kann doch jeder!“ Und einen irgendwie sympathischen Auftritt hinzulegen, das ist auch nicht sonderlich schwer. Inzwischen gibt es gar Hochzeitsplanerinnen, die eine „Ausbildung“ zum Hochzeitsredner anbieten, einfach auf Grund der Tatsache, dass sie ein paar Mal bei solch einer freien Trauung dabei gesessen haben und dann dachten: „Och, so ein bisschen Moderieren, das kann doch jeder!“ In meinen Augen ist das eher so etwas wie kommerzialisierte Ahnungslosigkeit.
Klar, äußerlich betrachtet kriegt man das schnell zusammen: Ein paar schöne Texte, ein bisschen Musik, Ja-Wort, Versprechen, Ringetausch – fertig. Dann nur noch ne entsprechende Website erstellen, mehr braucht’s nicht. Aber inzwischen merken immer mehr Brautleute, dass es mit Freundlichkeit und Äußerlichkeit nicht getan ist. Denn es geht nicht um eine mehr oder weniger originelle Selbstdarstellung oder gar Show, sondern um eine Weichenstellung im Leben zweier Menschen; um einen kardinalen Moment, einen Übergang im Leben. Der vollzieht sich unter äußerst positiven Vorzeichen und im Grunde „undramatisch“, aber wer als Hochzeitsredner(in) diesen Übergang und dessen Bedeutung für das Leben zweier Menschen nicht einmal reflektiert hat und sich nur am schönen Schein und dem Auftritt orientiert, der nimmt das gar nicht wahr und bleibt an der ach so schönen Oberfläche.
Der äußere Unterschied zu einer qualifizierten Arbeit mit Brautleuten ist gering, aber man spürt es eben doch. Und ich stelle fest, dass immer mehr Brautleute dies auch mitkriegen und sich nicht mit einer „netten“ Trauung begnügen. Sie wollen tiefer verstanden sein in ihrer Liebe und dies dann auch auf einem anderen Niveau zum Ausdruck bringen. Sie fragen nach Qualifikationen bei den Anbietern von freien Trauungen, spüren nach, ob sie mehr als nur oberflächlich wahrgenommen werden. Das bedarf einer geschulten Wahrnehmung und Reflexion. Denn ihre Liebe ist echt, und sie bedarf der Echtheit in der Art, wie sie gefeiert wird. Und das kann eben doch nicht jeder…

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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