Daniela Berg: Ich bin freie Theologin – mein Traumberuf

Daniela Berg begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt sie an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit fast 11 Jahren als freie Theologin tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Nicht in dem Sinne, dass ich immer schon davon geträumt hätte. Aber es ist eine Arbeit, die viel Freiraum lässt für eigene Kreativität – jede Zeremonie ist wie ein kleines neues Kunstwerk.

Darüber hinaus empfinde ich es als Geschenk, Menschen in so besonderen Phasen und Zeiten ihres Lebens begleiten zu dürfen und sie dadurch in kürzester Zeit sehr intensiv kennenzulernen.

Nicht zuletzt glaube ich, dass es kaum einen Beruf gibt, in dem man so viel direkte Anerkennung und Wertschätzung für seine Arbeit erfährt.

Das alles sind wohl in der Tat Dinge, von denen viele Andere in ihrem Berufsleben nur träumen können.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Eine Mischung aus Aufregung, Freude, Berührtsein. Hoffnung und Wünsche für das Paar und seine gemeinsame Zukunft stehen neben Fragen: Wie wird es Ihnen wohl in Zukunft ergehen? Werden sich Ihre eigenen Träume und Wünsche erfüllen. Es ist ein sehr intensives Erleben und oft ein Gefühl tiefer Verbundenheit.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Schon ungefähr nach der Hälfte meines Theologiestudiums stand für mich fest, dass ich nicht für die Kirche arbeiten möchte. Aber erst ein paar Jahre später erfuhr ich von einem Kollegen, dass es auch außerhalb der Kirche freiberuflich arbeitende Theologen gibt, die kirchenunabhängige Zeremonien zu den verschiedenen Lebensübergängen gestalten. Da ich selbst bereits eine freie Segensfeier zur Geburt unserer Tochter gestaltet hatte, eröffnete sich mir damit eine spannende berufliche Perspektive, die ich freudig weiterverfolgte.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiter/in heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Ja, auf jeden Fall. Aber darüber hinaus finde ich es überhaupt sehr lohnend, Menschen dabei zu unterstützen, sich im Vorfeld mit besondere Ereignisse in ihrem Leben auseinanderzusetzen und die für sie passenden Formen der Gestaltung dafür zu finden. Viele Paare melden mir hinterher zurück, dass sie vor allem die Gespräche über ihre gemeinsame Geschichte als sehr wertvoll empfunden haben, und ich selbst habe auch oft den Eindruck, dass dies noch mal eine ganz eigene Art der Hochzeitsvorbereitung ist – fernab von allen Äußerlichkeiten.

Im Bereich der Trauerfeier finde ich es sehr befriedigend, wenn ich dazu beitragen kann, dass der Abschied von einem geliebten Menschen gut gelingt. Auch hier erlebe ich die Gespräche im Vorfeld als ganz wichtig, weil sie den Raum eröffnen für das Erinnern an den Vestorbenen und die Reflexion: Was war wichtig in ihrem / seinem Leben? Was wird davon auch bleiben. Hier wird schon ein großes Stück „Trauerarbeit“ geleistet.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Ich skizziere das mal für eine Freie Trauung: Bei einem ersten unverbindlichen Treffen geht es zunächst einmal darum, sich kennenzulernen und zu schauen, ob „die Chemie stimmt“ und ob man sich vorstellen könnte, miteinander zu arbeiten. Das Paar erzählt mir von seinen Vorstellungen von Ihrem großen Tag und speziell der Trauzeremonie, und ich erzähle von mir und den (schier unendlichen) Gestaltungsmöglichkeiten, die es für eine Freie Trauung gibt.

Später folgt dann ein zweites Treffen. Bei diesem gehen wir dann bzgl. Ablauf und Inhalt der Freien Trauung schon mehr ins Detail gehen und ich erfrage Genaueres zu persönlichen Geschichte des Brautpaares, welches dann die Basis für meine Rede wird.

Zwischendurch gibt es einen regen Austausch von Fragen, Antworten, Informationen und Materialien per e-mail oder Telefon geben. Ich habe zum Beispiel in den letzten Jahren eine umfangreiche Sammlung mit Texten rund um Liebe, Partnerschaft und Ehe zusammengestellt, die ich dem Paar bei Bedarf gerne zur Verfügung stelle.

Der Ablauf der Freien Trauung selbst entwickelt sich dabei dann Stück für Stück in enger Absprache mit dem Brautpaar. Jede Freie Trauung ist ein bisschen anders, und es ist so ziemlich alles möglich, von „fast wie in der Kirche“ bis „ganz individuell und besonders“. Natürlich habe ich meine Erfahrungen, was sich bewährt hat, die ich gerne weitergebe. aber letztlich sind die Wünsche und Vorstellungen des Paares entscheidend. Ich bin da sehr offen für auch ungewöhnliche Ideen und Vorschläge und probiere gerne auch Neues aus.

Welche Voraussetzungen müsste jemand mitbringen, der den Beruf ausüben möchte?

  • Interesse an der intensiven Begegnung mit Menschen und ihren Geschichten
  • die Bereitschaft und Fähigkeit, zuzuhören und auch manch Unausgesprochenes zu erspüren
  • Freude am Umgang mit Sprache und an der Suche nach der „genau richtigen“ Formulierung
  • Kreativität und Ideenreichtum, Spaß am Gestalten und Ausprobieren
Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Gerade, wenn Kinder mitwirken, passiert ja oft Unvorhergesehenes – das ist in einer Freien Trauung nicht anders als im sonstigen Leben. Einmal z.B. marschierte der kleine Sohn des Brautpaares mit der Traukerze in der Hand zunächst zwar brav in Richtung Mama und Papa, bog dann aber kurz vorher doch lieber nach rechts ab und drehte eine Runde um den Pavillon bevor er die Kerze ablieferte.

Aber auch ganz grundsätzlich schließen sich für mich Feierlichkeit und Leichtigkeit und Humor nicht aus. Wenn in den Vorbereitungstreffen zum Beispiel viel gelacht wird, wird sich diese Stimmung auch in der Trauung wiederfinden.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Grad im letzten Jahr fiel kurz vor der Trauung dem Sohn des Brautpaares der Ring aus der Hand und durch die Ritzen der Bohlen des Steges. Zum Glück verlief der Steg an dieser Stelle noch auf dem Land. Die Ansprechpartnerin vom Hotel zog sich daraufhin beherzt ihren Blazer aus, krabbelte unter den Steg und fand den Ring wieder. Die Erleichterung aller Anwesenden können sie sich vorstellen.

Bis heute unvergessen ist aber auch ein Freie Trauung auf der „Hohen Liebe“ in der Sächsischen Schweiz. Es war ein regnerischer Novembertag und Hochzeitsgesellschaft und Freie Theologin wanderte in Regensachen und mit Wanderschuhen auf den Berg, wo die Braut mit der Zeremonie überrascht wurde.

Was bedeutet es Ihnen freie Theologin zu sein?

Intensive Begegnungen mit ganz verschiedenen Menschen und sie zu begleiten in wichtigen Übergängen in ihrem Leben.

Außerdem finde ich es wunderbar, mich als Freiberuflerin quasi jeden Tag ein bisschen neu erfinden zu können. Neben den freien Zeremonien habe ich mir ja noch andere berufliche Felder erschlossen wie Supervision, Fortbildung und Moderation. So ist mein Berufsleben sehr bunt und abwechslungsreich und nie langweilig.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Daniela Berg Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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