Buchempfehlung – Warum die Frau den Hut aufhatte

Die Hochzeit ist ein Übergangsritual. Was das meint, ist in diesem Buch von Angelika-Benedicta Hirsch nachzulesen. Wer Hochzeiten gestaltet und Hochzeitsreden hält, findet hier wertvolle Einsichtung zu Sinn, Geschichte, Struktur und Dynamik von Hochzeitsritualen.

Eine „Kleine Kulturgeschichte des Hochzeitsrituals“ lautet der Untertitel. Es tut gut, zu schauen, wie es unsere Vorfahren gemacht haben, das Heiraten. Nicht nur das WIE, sondern vor allem WARUM liefert wichtige Hinweise. Seit die Kirchen immer mehr das Ritenmonopol verlieren, entstehen viele neue Angebote, dieses Lebensfest zu gestalten. Nicht nur die Hochzeitsplaner schießen aus dem Boden (Schließlich muss so eine Hochzeit richtig durchgeplant werden. Die Ansprüche sind hoch), auch die freien Ritualgestalter, mal Hochzeitsredner, mal Trauredner genannt, tummeln sich auf einem Markt, der immer größer zu werden verspricht.

Heiraten ist heute nicht mehr so selbstverständlich wie noch vor wenigen Jahrzehnten. Damals war relativ klar, wie »man« es macht. Heute besteht zwar eine große Freiheit in der Lebens- und Beziehungsgestaltung, aber neuerdings taucht vermehrt großes Interesse an Formen und Ritualen auf. Hochzeit ist nach wie vor »die« Feier des Lebens. Wer heiraten will, wird umworben wie kaum ein anderes Publikum.(Klappentext)

Hochzeitsgeschichten von der Antike bis heute machen deutlich, wie Hochzeitsriten entstanden sind und welche Funktion sie haben. Der Mythos „vom schönsten Tag des Lebens“ wird kritisch beleutet. Wer weiß, woher die Hochzeitsriten und -bräuche stammen und was sie bedeuten, kann besser Rituale gestalten. Denn die Riten sind nicht einfach „nice to have“, sondern transportieren ein bestimmtes Frauen- oder Männerbild, sie setzen eine Aussage über die Beziehung und stellen Weichen für die Ehe.

Der Aufbau des Buches ist einleuchtend und erhellend. Nach einem Blick in die Geschichte der Hochzeitsriten und das Ringen der Kirchen mit den neuzeitlichen Veränderungsprozessen im Verständnis der Ehe, wird zunächst der Begriff Übergangsritual erläutert. Märchen und Mythen transportieren das Wissen über Rituale. Deshalb werden zwei Märchen erzählt, die die Bedeutung und Inhalte rituellen Wissens veranschaulichen. Fünfzig Seiten umfasst der letzte und sicher interessanteste Teil für Menschen, die heute Rituale begleiten. Wie heute heiraten? Mit dieser Frage werden Anspruch mit Wirklichkeit miteinander abgeglichen, die Liebe ins Verhältnis zur Ehe gesetzt und allerlei praktische Fragen geklärt. Gut gefällt mir, dass in diesem Teil Eheleute auf ihre Hochzeit zurückschauen und anschauliche Beispiele für die besprochenen Fragen liefern.

Auch wenn das Buch bereits 2008 erschienen ist. Es ist ein wichtiges Buch zu einem Thema, zu dem es nicht viele gut recherchierte und fundierte Veröffentlichungen gibt. Ich empfehle es besonders den vielen neuen Traurednerinnen und Traurednern, die Hochzeitszeremonien gestalten.

Angelika-Benedicta Hirsch
Warum die Frau den Hut aufhatte
Kleine Kulturgeschichte des Hochzeitsrituals

1. Auflage 2008
195 Seiten mit 21 Abb. gebunden
ISBN 978-3-525-60437-3
Vandenhoeck & Ruprecht
23,00 €

Birgit Aurelia Janetzky

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

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