Brautpaare auf der Couch

Die Vorbereitung einer Freien Trauung ist keine Paartherapie, soll es auch nicht sein. Dennoch erlebe ich es für mich und die Paare gleichermaßen als ein spannendes Unterfangen, sich neben den Absprachen zum Ablauf und Inhalt der Freien Trauung, dem zuzuwenden, worum es am Hochzeitstag ja eigentlich geht: das Paar selbst und die Liebe und Beziehung, die diese zwei Meneschen miteinander verbindet und sie überhaupt erst zu einem Paar macht.

„Das war ja fast wie bei ner Paartherapie“, höre ich manchmal am Ende eines Vorbereitungstreffen mit einem Brautpaar. „Na klar“, antworte ich dann in der Regel mit einem Augenzwingern. „Ihr habt ja auch nicht umsonst auf einer roten Couch gesessen“.

In Wahrheit liegt es mir natürlich fern, Paare, die eine Freie Trauung mit mir machen wollen, zu therapieren. Dennoch empfinde ich es als einen sehr schönen Nebeneffekt unserer gemeinsamen Vorbereitungsgespräche, wenn sich die Gespräch auch als eine Art Aufarbeitung der bisherigen Geschichte des Paares erweisen. Den bisherigen gemeinsamen Weg ehrlich zu reflektieren, mit all seinen Höhen und Tiefen, Besonderheiten und Normalitäten, ist in meinen Augen immer eine ganz besondere Form der Hochzeitsvorbereitung. Hier geht es mal nicht um die Sorte Wein, die am Abend serviert wird, die Farbe der Servietten oder die Frage, wer mit wem an welchem Tisch sitzt. Hier geht es um das Paar selbst und um den eigentlich Anlass ihres Hochzeitsfestes: seine Liebe und Beziehung.

Gemeinsam versuchen wir uns dem anzunähern, was das Besondere gerade dieser Beziehung ist, was gerade dieses Paarsein ausmacht, suchen nach Antworten auf Fragen, über die man sich normalerweise Regel im Alltag nur selten austauscht, wie z.B.:

Was denkt Ihr eigentlich, wieso das schon so lange so gut mit Euch funktioniert? Was ist das „Geheimnis“ Eures Paarseins?

Was erlebt Ihr als das Verbindenden in Eurer Beziehung?

Was war das Schönste und was das Schwerste, das Ihr miteinander erlebt habt?

Wenn Ihr in 25 Jahren Silberhochzeit  feiert – was soll dann noch genauso zwischen Euch sein wie jetzt? Welche Qualitäten Eurer Beziehung wollt Ihr versuchen, durch die Zeit zu retten?

Was würdet Ihr am meisten vermissen, wenn der Andere nicht mehr da wäre?

Je nachdem, wie sehr das Paar sich darauf einlässt, geht das manchmal ganz schön in die Tiefe und mitunter auch ans Eingemachte. Vor allem, wenn ich z.B. frage:

„Gab es auch Zeiten, in denen Ihr Eure Beziehung infrage gestellt habt? Und wie seid Ihr damit umgegangen?“

merke ich, dass Paare sich oft erst einen kleinen Ruck geben müssen, um von Krisen, Auszeiten oder anderen nicht so schönen Phasen ihrer Partnerschaft zu erzählen. Ich betone dann, dass es nicht darum geht, solche Sachen in der Zeremonie zur Sprache zu bringen oder gar auszuwalzen, dass es aber für mich hilfreich ist, davon zu wissen, um ein möglichst vollständiges und wahrhaftiges Bild eines Paares zu bekommen. Und dass in meinen Augen letztlich sogar für eine Partnerschaft spricht, wenn sich Beide vielleicht nach einer Krise oder einer Zeit der Infragestellung noch mal neu und ganz bewusst füreinander entschieden haben.

In den allermeisten Fällen sind die Paare am Ende des gemeinsamen Vorbereitungsprozesses sehr dankbar dafür, die Gelegenheit bekommen zu haben, sich miteinader über Fragen und Themen auszustauschen, über die sich vielleicht noch nie zuvor Gedanken gemacht haben. Auch, aus dem Mund des anderen mal (wieder) eine geballte Ladung „Ich liebe Dich, weil …“ gehört zu haben, erleben viele als ein großes Geschenk, erheben sich beschwingt von meiner roten Couch und machen sich mit strahlenden Augen auf den Heimweg.

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

 

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