Begreifen was nicht ist – Buchempfehlung

Marlene ist gestorben. Sie hat 15 Jahre gelebt.  Marlene ist die Tochter meiner Kollegin Daniela. Dass sie es bleibt, auch nach ihrem Tod, lese ich aus jeder Zeile. Daniela hat Mails veröffentlicht, die sie nach dem Tod von Marlene geschrieben hat – ich fühle mich beim Lesen eingeladen teilzuhaben – teilzunehmen an dem, was sie erlebt. Ich lese und lese und fühle mich beschenkt.

Es öffnet sich beim Lesen ein Raum, in Resonanz zu gehen. Ich werde traurig, weine, lache, bin zornig, staune.
Vieles spricht mir aus der Seele. Was es mit dem Trösten auf sich hat…. Ja!
Ich erkenne eigene Fragen und finde Antworten. Immer schon fand ich es merkwürdig, unpassend, wenn jemand nach dem Tod des nächsten Menschen sagt: ‚ich habe meine Frau verloren‘ – jetzt komme ich dem mehr auf die Spur. Verliere ich etwas, schwingt immer mit ‚Hätt ich nur genug aufgepasst‘. Und oft findet sich, was verlorengegangen ist, nach einer Zeit wieder….
Nein. Die die Menschen, die uns vorausgegangen sind, sind gestorben. Vielleicht gibt es  neue, andere Begegnungen, irgendwann.  Wer weiß das schon?

Daniela schreibt ohne Pathos – so kann ich das Leid spüren, das sie erfährt, und die Kraft, mit der sie weiterlebt. Ich brauche mich in keiner Sekunde zu distanzieren – ich bin eingeladen, den Weg ein Stück nachzuvollziehen, den Daniela gegangen ist. Mitzuerleben, wie sie damit umgeht, dass ihre Tochter nicht mehr lebt. Ich bin tief beeindruckt von einer Mischung aus Gestalten und Geschehenlassen. Weil Daniela ist, wie sie ist – schwingt das Pendel öfter zum Gestalten – mit so vielen wunderbaren Ideen. Wie schön der Sarg ist, Marlene hat richtig viel zu gucken… Perlen der Erinnerung werden zu einer bunten Kette. Natürlich tragen die Eltern, tragen gute Freunde den Sarg von Marlene.

So viel Mut begegnet mir, Mut zu gestalten, nach so viel Geschehenlassenmüssen.

Ich halte mit diesem Buch einen Schatz in den Händen. So viel Klugheit begegnet mir, Texte, Gedichte, selbst geschrieben oder zitiert, berühren mich.  Die Klarheit der Sprache, Danielas Direktheit….

Ich würde mich so freuen, wenn das Buch viele Menschen erreicht – und mitnimmt im besten Sinne, den ganz eigenen Weg zu finden nach dem Tod eines nahen Menschen.

Daniela Berg, Jahrgang 1972, studierte evangelische Theologie. Sie arbeitet in eigener Praxis als Freie Theologin und Trauerrednerin sowie als Supervisorin, u.a. für ehrenamtliche Hospizmitarbeiter. Für den Hospizdienst Potsdam leitete sie eine Trauergruppe für verwaiste Eltern.

Preis 8,90 €

Die Webseite zum Buch: Begreifen, was nicht ist

Michaela Höck

(Die Darstellung und Beurteilung dieses Themas gibt die Meinung des Autors/ der Autorin wieder, nicht automatisch aller Mitglieder der AGFT)

Kommentieren