Anna Held: Ich bin freie Theologin – mein Traumberuf

Anna Held begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt sie an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.


Sie sind seit fast 15 Jahren als freie Theologin tätig. Ist Zeremonienleiterin Ihr Traumjob?

Als ich für mich entdeckte, freie Trauungen zu gestalten, wusste ich: „dies ist genau das, was ich schon immer machen wollte“ – ohne danach gesucht zu haben. Zeremonien zu gestalten ist wirklich mein absoluter Traumjob.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Es ist immer wieder „Gänsehaut pur“ – auch noch nach Jahren. Ich stehe da und denke mir, es ist das Schönste und Wertvollste im Leben, wenn zwei Menschen sich lieben und diese Liebe vor aller Welt kundtun. Und ich darf dieses Paar, diese Liebe begleiten.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Nach meinem Theologiestudium steckte ich in der Erwachsenenbildung. Eines Tages fragten mich Freunde, ob ich mit einem Ritual ihre Partnerschaft segnen könnte. Wir kreierten ein persönliches Trauritual, das allen eindrucksvoll in Erinnerung blieb. Als Zeremonienleiterin erlebte ich, wie sehr ein Ritual emotional stärken kann und damit diesen wichtigen Lebensschritt hervorhebt. Und – ich sah, es gibt Paare, die sich zu ihrer Hochzeit eine Trauung wünschen, aber keine Bindung zu einer Kirche haben – oder – die nicht in der Kirche heiraten dürfen, weil sie schon mal verheiratet waren oder homosexuell, also lesbisch oder schwul leben. Ich spürte, hier liegt meine Aufgabe.

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiterin ist heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Klar – die vielen glücklichen Gesichter bei einer Trauung zu sehen, ist toll. Doch was mich wirklich bewegt, sind die Gesichter, die zeigen, dass sich die Herzen öffnen, wenn ich in der Trauung von der Liebe spreche. In den Gesprächen erzählen mir die Paare vom Anfang ihrer gemeinsamen Liebe aber auch von Enttäuschungen und Schicksalen. Aus all diesen berührenden Geschichten darf ich eine persönliche Rede schreiben und die Trauung gestalten. Wenn ich dann sehe, wie die Menschen während der Trauung berührt sind von dem, was passiert, spüre ich den Erfolg meiner Arbeit – ehrlich gesagt, genau das macht mich glücklich.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Mit jedem Paar treffe ich mich zu einem unverbindlichen Vorgespräch. Dabei lernen wir uns persönlich kennen, wir sprechen darüber, worauf das Paar besonders wert legt und wie die Trauung zu einem einzigartigen Erlebnis werden kann. In einem ausführlichen Traugespräch klären wir den Ablauf der Trauung. Wir reden über das Eheversprechen, ob die Eltern oder die Trauzeugen etwas sagen oder vielleicht sogar alle Hochzeitsgäste in einem Ritual beteiligt werden. Das Paar erzählt mir von ihrer Liebe und aus ihrem Leben. Daraus schreibe ich eine individuelle Rede und Trauritual. Klar, wir telefonieren auch und schreiben uns Mails.

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen? Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?
  • Er/sie sollte Reden können, auch vor Publikum. Im Mittelpunkt stehen und sich dennoch zurücknehmen können, denn im Mittelpunkt steht das Hochzeitspaar, ein Kind oder ein Jubelpaar. Mit Reden meine ich, Worte in eine stimmungsvolle, stilvolle Form bringen zu können und authentisch zu bleiben.
  • Eine Ausbildung, bei der man sich mit Ritualen und deren Bedeutung im Leben eines Menschen schon mal beschäftigt hat, wäre ganz sinnvoll.
  • Darüber hinaus halte ich ein bestimmtes Maß an Eigenreflexion für wichtig.
  • Ich strukturiere meinen Tag und meine Arbeit selbst. Daher erfordert dieser Beruf, dass man planen und auch sich selbst organisieren kann.
Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Ich finde immer, eine Zeremonie ist keine steife Sache sondern Ausdruck des Lebens. Also ist lachen erlaubt, Kinder laufen von der Mama (= vielleicht die Braut) zum Papa (ist dann meist der Bräutigam) oder zur Oma, zum Opa. Klar soll es feierlich sein, eine Rede stilvoll und dennoch eben nicht steif und darf auch humorvoll sein. Ein Bräutigam schrieb mir mal zurück: „Die Zeremonie war so, wie wir uns das gewünscht haben, eine heitere und fröhliche Zeremonie mit der nötigen Ernsthaftigkeit im rechten Moment.“

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Da gibt es einige. Einmal klingelte das Handy des Bräutigams (!) – eigentlich ein absolutes „No go“, doch dem Bräutigam wurde verziehen. Zumal ein Freund anrief, um ihm als erster zu gratulieren. Das Paar hatte sich gerade die Ringe angesteckt. Ich erinnere mich auch besonders an eine Situation. Wir sitzen in der 5. Etage eines Hotel und warten auf das Okay zum Einzug der Braut. Sie fährt nun in der 1. Etage los, hieß es und die Musik könne Starten. Die Sängerin singt und singt, doch es kommt niemand. Erst nach 5 Minuten zieht die Braut ein. Alle, nicht nur der Bräutigam waren erleichtert. Allen Unkenrufen zum Trotz, steckte die Braut im Aufzug fest.

Was bedeutet es Ihnen freie Theologin zu sein?

Mein Studium der Theologie ist die Basis für meine Arbeit als freie Theologin. Rituale zu kennen und erlebt und angewendet zu haben, gibt mir ganz einfach ein gutes und sicheres Gefühl – und – die Gewissheit, dass ich weiß, was ich tue. Das, was gefeiert wird, würdevoll und angemessen zu repräsentieren, Momente eines Lebens konzentriert in Worten und Gesten zu erleben, der Theologe sagt dazu „zu begehen“. In einer Feier, das konzentriert zu erleben, was Anlass der Feier ist – ein neues Leben, ein JA-Wort, das ich meinem Partner gebe – Momente des Lebens feiern. Genau das macht mich selber immer wieder glücklich. Als freie Theologin bin ich keiner Kirche verpflichtet. Frei denkend begreife ich mich dennoch als einen spirituellen Menschen.

(Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Anna Held Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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