Andreas Wagner: Ich bin freier Theologe – mein Traumberuf

Andreas Wagner begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt ihn an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit 2004 als freischaffender Theologe tätig. Ist Zeremonienleiter Ihr Traumjob?

Traumjob? Weiß ich nicht. An manchen Punkten in meinem Leben hätten die Weichen auch anders gestellt sein können. Aber die Arbeit als Gestalter von Zeremonien ist jedenfalls etwas, was ich sehr gerne mache, womit ich mich sehr gerne beschäftige. Ich durfte in den vergangenen Jahren eine ganze Menge Paare auf dem Weg zu ihrer Trauung begleiten, es wurde mir dabei viel Vertrauen entgegen gebracht – das ist ein enormes Geschenk. Schliesslich kennen mich die Paare vor der ersten Begegnung in der Regel nicht. Wir lernen uns kennen und müssen spüren, dass „die Chemie stimmt“. Dann erst kann ich Paaren behilflich sein.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Das ist sehr unterschiedlich; das hängt von der Dichte der Beziehung ab, die trotz der kurzen Zeit entstanden ist. Manchmal bin ich fast zu Tränen gerührt und kann mich für das Paar tief innerlich freuen.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Ich war katholischer Priester, zuletzt Pfarrer in CH-Brugg / Aargau. Als ich meine jetzige Frau kennenlernte, mussten wir uns entscheiden, wie das mit uns weitergehen sollte. Letztlich haben wir uns für einander entschieden. Ich habe fortan ausserhalb und unabhängig von Kirche das gemacht, was ich gut kann und was mir Freude macht. Und letztlich durfte ich feststellen, dass die freischaffende Existenz am besten zu mir passt.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

Ich treffe mich gerne möglichst früh mit einem Brautpaar, damit wir uns „beschnuppern“ und uns aus unseren Leben erzählen können. Mein Ziel ist es, dass beide Seiten am Ende dieses ersten Gesprächs für sich genügend Kriterien haben, um über eine Zusammenarbeit entscheiden zu können. Wenn ich dann einen Auftrag bekomme, erstelle ich einen Entwurf, der als Grundlage für die weitere Zusammenarbeit dient. Meine Erwartung ist nicht, dass mein erster Entwurf gleich der „grosse Wurf“ ist. Lieber ist mir, es wird daran gehobelt, geschraubt, gefeilt, bis einige Zeit vor dem Trautermin die Zeremonie auf Papier so ist, dass das Paar sagen kann „Genau so wollen wir es!“

Wenn der Sohn/ die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihm/ihr sagen?

„Du, hör mal, da gibt es Menschen, die möchten ihre Hochzeit oder eine Beerdigung auf ganz persönliche Weise begehen. Dabei helfe ich ihnen.“

Welche Voraussetzungen müsste er/sie mitbringen?

Ganz kurz würde ich sagen, er muss die Menschen lieben. Und er sollte eine gute Portion Phantasie, Experimentierfreude und Gestaltungslust haben.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Trauungszeremonien zeichnen sich dadurch aus, dass der Anlass gleichzeitig ernsthaft und voller freudiger Erwartung ist. Dem trage ich Rechnung durch meine Art der Gestaltung. So wird gerne mal während der Zeremonie gelacht. Meistens entsteht das aus der Situation. Wenn man sicher gehen will, dass die Gäste zumindest schmunzeln, muss man nur Kinder unter drei Jahren eine Aufgabe übertragen. Die machen in der Regel alles andere, nur nicht das, was sie sollten.

Was bedeutet es Ihnen freier Theologe zu sein?

Ich geniesse die Freiheit, die mir diese Tätigkeit bietet. Mir schreibt keine Kirche (mehr) etwas vor; genauso schreibe ich meinen Kunden (im wahrsten Sinne des Wortes) nichts vor.

[Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Andreas Wagner Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.]

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