Birgit Aurelia Janetzky: Ich bin freie Theologin – mein Traumberuf

Birgit Aurelia Janetzky begleitet Brautpaare in freien Zeremonien. Was reizt sie an dieser Arbeit? Und wie ist das, wenn man regelmäßig den unterschiedlichsten Paaren hilft, den Bund fürs Leben zu schließen.

Sie sind seit fast 16 Jahren als freie Theologin tätig. Ist Zeremonienleiterin Ihr Traumjob?

Ich begleite gerne Menschen an den Lebensübergängen. Die freiberufliche Arbeit liebe ich, weil ich sehr selbstbestimmt arbeiten kann. Von daher kann ich sagen, dass es mein Traumjob ist.

Was ist das für eine Stimmung, wenn man vor den Paaren steht, die sich ein Eheversprechen geben?

Meist bin ich selbst ein wenig aufgeregt und immer bin ich sehr berührt, wenn ich bei einem Brautpaar in diesem intimen Moment Zeugin sein darf.

Wie sind Sie zu dem Beruf gekommen?

Nachdem ich zehn Jahre in der kirchlichen Bildungsarbeit angestellt gearbeitet habe, suchte ich nach einer neuen Herausforderung und einer Möglichkeit mich beruflich zu verändern und weiter zu entwickeln. Vor 16 Jahren waren Freie Theologen noch eine recht seltene Spezies, ein Zeitungsartikel über einen Freien Theologen hat den Impuls gegeben. Ich wusste: das ist es!

Wenn Sie sagen, die Arbeit als Zeremonienleiterin heute Ihr Traumjob. Was ist das Schöne daran? Die vielen glücklichen Gesichter?

Glückliche Gesichter gibt es bei den Hochzeiten. Aber ich begleite auch viele Trauerfeiern, hier sind die Gesichter traurig. Schön empfinde ich es, wenn Menschen sich Zeit nehmen und einen Lebensübergang – sei es Geburt, Hochzeit oder Tod – bewusst gestalten, mit allen Gefühlen.

Wie sieht eine normale Begleitung bei Ihnen aus?

In der Regel treffe ich mich zweimal mit den Brautpaaren. Die Brautpaare sind wählerischer geworden, wer ihre freie Zeremonie begleiten darf. Deshalb nehmen viele die Möglichkeit wahr zunächst ein unverbindliches Gespräch zum Kennenlernen mit mir zu vereinbaren. Mir ist es wichtig, dass das Brautpaar zur eigenen Zeremonie findet, ob das rustikal ist, im Freien um ein Lagerfeuer, oder elegant im Rosengarten eines Schlosses, oder ganz klassisch in der Kapelle einer alten Burg. Zunächst höre ich zu, stelle manchmal überraschende Fragen und entwickle mit dem Brautpaar den Ablauf. Das Herz der Zeremonie ist für mich das Eheversprechen, das sich Braut und Bräutigam geben.

Wenn die Tochter eines Nachbarn Sie nach Ihrem Beruf fragen würde, was würden Sie ihr sagen?

Lerne zunächst einen handfesten Grundberuf oder studiere ein geisteswissenschaftliches Fach, das Dich interessiert. Wenn du später immer noch als Zeremonienleiterin arbeiten möchtest, dann treffen wir uns wieder.

Welche Voraussetzungen müsste sie mitbringen?

Man kann alles Mögliche lernen: frei sprechen, Reden schreiben, passende Texte finden, Gespräche führen, Marketing. Das Wichtigste ist um als Zeremonienleiter zu arbeiten, ist aber in meinen Augen reflektierte eigene Lebenserfahrung. Zu mir kommen Paare, die bereits Eltern sind, die schmerzhafte Scheidungsprozesse mit früheren Partnern kennen, die Enttäuschungen erlebt haben und dennoch weiter Liebe wagen. Eine Trauzeremonie gewinnt an Tiefe, wenn diese Lebenserfahrungen ausreichend gewürdigt werden.

Gibt es bei den Zeremonien auch mal lustige Begebenheiten, oder ist das alles immer feierlich ernst?

Meist sorgen die Kinder oder das Wetter für die Auflockerung. Eine Trauung fand einmal in einem großen Zelt statt. Es regnete in Strömen. Von oben war es zwar trocken, aber ein Sturzbach floss am Boden längs durch das ganze Zelt, Braut und Bräutigam standen in Gummistiefeln vor mir. Ich selbst hatte ziemlich nasse Füsse.

Fällt Ihnen eine Begebenheit bei einer freien Trauung ein, die Sie Ihr Leben lang nicht vergessen werden?

Besonders berührt hat mich ein Bräutigam, dessen Vater kurz vor der Hochzeit gestorben war. Er würdigte zu Beginn der Trauzeremonie seinen Vater und ließ seiner Trauer freien Lauf. Danach wandte er sich seiner Partnerin zu und seien Augen strahlten voller Liebe. Es war als hätten die Tränen einen Kanal freigespült, die Liebe zeigte sich ganz rein und ursprünglich.

Was bedeutet es Ihnen freie Theologin zu sein?

Zunächst viel Freiheit, meine beruflichen Schwerpunkte immer neu auszutarieren. Ich bin frei von irgendwelchen institutionellen oder dogmatischen Vorgaben und kann mich ganz auf das Brautpaar einstellen und maßgeschneiderte Zeremonien anbieten. (Mit diesen Fragen geben die Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft freier Theologen Einblicke in Ihre Arbeit. Nehmen Sie mit Birgit Aurelia Janetzky Kontakt auf, wenn Ihnen weitere Fragen auf der Zunge liegen.)

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